Kai Klose ist derzeit nur noch zum Schlafen zu Hause.
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Kai Klose ist derzeit nur noch zum Schlafen zu Hause.

Porträt

Sozialminister im Dauereinsatz

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Im Profil: Der Grüne Kai Klose will die Gesellschaft zusammenhalten.

Das Zitat Kai Kloses ist keine zwei Monate alt: „Hessen hat die Sicherheitsvorkehrungen für das Coronavirus ausgeweitet. Aktuell gibt es keine Hinweise auf eine Ansteckungsgefahr in Deutschland.“ Jetzt ist die Welt eine komplett andere und der Grünen-Politiker im Dauereinsatz gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Der beginnt täglich gegen 5 Uhr und endet selten vor Mitternacht.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass der zurückhaltende Freund farbenfroher Outfits vom Staatssekretär für Integration zum hessischen Sozialminister aufrückte, das nicht allein für die medizinische Versorgung zuständig ist, sondern auch für Kinder, Flüchtlinge, Frauen, Alte und Diskriminierte. Als „Staatsminister für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Soziales und Integration“ sieht Klose sich.

Damit legt der frühere Grünen-Landeschef die Latte hoch. So einen kann eine Bevölkerung gut brauchen, die auf eine historisch einmalige Bewährungsprobe mit unbestimmtem Ausgang gestellt ist. Eine Gesellschaft, in der Nachbarschaftshilfe blüht, in der aber auch Egoisten unterwegs sind, die Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern klauen, um sie bei Ebay zu verkaufen. Für derlei Auswüchse findet Klose auf dem Kurznachrichtendienst Twitter klare Worte: „Niederträchtig. Leute, es gibt keinen Grund für zivilisatorische Rückschritte!“

Privatleben findet so gut wie nicht statt

Privatleben findet derzeit so gut wie nicht statt, ist aus seinem Ministerium zu erfahren. Nur noch zum Schlafen und für ein schnelles Frühstück mit seinem Mann sei er zu Hause. Meist ist Klose im Ministerium, gelegentlich in der Staatskanzlei schräg gegenüber, etwa für die Skype-Pressekonferenzen mit dem Ministerpräsidenten wie am vergangenen Freitag. Ansonsten gelten auch im politischen Geschäft die Abstandsregeln: Die meisten Sitzungen und Besprechungen sowie Kabinettssitzungen finden nur noch per Telefon- oder Videoschalte statt.

So geht das schon seit Anfang Februar, als das Flugzeug mit Rückkehrern aus dem chinesischen Wuhan in Frankfurt landete. Auch die Pressekonferenzen danach bestritt der 45 Jahre alte Gymnasiallehrer für Deutsch, Politik und Wirtschaft stets mit Experten. Er höre zu, sei sehr interessiert, sagt einer der Teilnehmer der Blitzkurse in Virologie und Infektionsschutz.

Inzwischen geht es um viel mehr. Um Wirtschaft, Sicherheit, Finanzen, die Zukunft des Landes. Ein Krisenstab hat sich gebildet, in dem die zuständigen Fachminister mit Klose zusammensitzen. Die Ereignisse überschlagen sich. Trotzdem muss Klose am Samstag schon zum Abendessen zu Hause gewesen sein. „Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich meine Lieblingsrestaurants über abholen oder liefern lassen unterstützen möchte“, schrieb er auf Twitter. „Aber zusammen kommen wir da durch.“

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