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Die Untersuchung des tödlichen Flugunfalls auf der Wasserkuppe dauerte bis in die Nacht.
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Die Untersuchung des tödlichen Flugunfalls auf der Wasserkuppe dauerte bis in die Nacht.

Rhön

Flugunfall mit drei Toten auf der Wasserkuppe: Bewährungsstrafe für Pilot

  • Martin Brust
    VonMartin Brust
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Mildes Urteil gegen den Piloten im Verfahren um einen schrecklichen Flugunfall mit drei Toten auf der Wasserkuppe in der Rhön.

Wie kann das sein, dass ein Mensch alles richtig macht und doch vor Gericht steht, weil er drei Menschen getötet hat? Wie kann das sein, dass er zu einer auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzten Gefängnisstrafe von nur sechs Monaten verurteilt wird, weil er fahrlässig drei Menschen getötet hat? Da der Staatsanwalt, der Witwer und Vater der drei Getöteten sowie der Angeklagte direkt nach Verkündung auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.

Vor dem Landgericht Fulda ist der Prozess um einen Flugunfall beendet worden, der von Ankläger, Verteidiger, Nebenklage und Richter mit Worten wie „schicksalhaft“ oder „tragisch“ beschrieben wurde. Im Oktober 2018 flog der Angeklagte mit drei Passagieren in einer einmotorigen Cessna von Mannheim auf den Sonderlandeplatz Wasserkuppe in Gersfeld. Als er auf dem höchsten hessischen Berg (zugleich Deutschlands höchst gelegenem Flugplatz) landen wollte, kamen ihm Zweifel am Gelingen.

Der 58-Jährige, der seit 32 Jahren unfallfrei fliegt, im Straßenverkehr unbescholten und auch strafrechtlich noch nie aufgefallen ist, entschied sich kurz vor der Mitte der Landebahn durchzustarten. „Ein regelhaftes Verhalten, wie es in der Flugschule gelehrt wird“, sagte der Staatsanwalt. Doch die Maschine schoss über das Ende der Landebahn hinaus, erfasste am Rand der nahe am Flugplatz vorbeiführenden Straße eine Mutter mit ihrer zwölfjährigen Tochter und dem elfjährigen Sohn und verletzte alle drei tödlich.

Flugzeugunglück auf der Wasserkuppe: Pilot flog zu schnell

Mehrere Faktoren führten zu diesem Unglück: Der Pilot flog zu schnell und zu hoch an, möglicherweise weil am Beginn der Landebahn noch eine andere Maschine stand. Die sowieso schwache Leistung der Maschine wurde durch die volle Beladung noch gemindert. Auch die verringerte Luftdichte auf 950 Meter Höhe erschwerte das Durchstarten. Schließlich steigt die Landebahn zum Ende hin um vier Prozent an; erlaubt sind höchstens zwei Prozent. Trotzdem hat der Sonderlandeplatz eine Genehmigung des Regierungspräsidiums Kassel.

„Bei der Vorbereitung auf diesen Fall kamen mir Gedanken daran, wie oft wir Menschen in Situationen geraten, auf die wir nicht ausreichend vorbereitet sind, und wie oft es gut ausgeht“, sagte der Vorsitzende Richter Josef Richter. „Das blieb dem Angeklagten und den drei Toten verwehrt.“

Alle drei Prozessparteien waren sich über die Abläufe weitgehend einig, auch darüber, dass die Pilotenfehler hauptursächlich waren. In mehreren Plädoyers wurde gesagt, dass es zwar um die juristische Aufarbeitung des schrecklichen Unglücks gehe, aber eigentlich die emotionale Seite im Vordergrund stehe. Der Staatsanwalt sagte: „Der Angeklagte ist kein Hasardeur, der einfach so drauflosfliegt.“ Er habe eigentlich alles richtig gemacht und trotzdem seine Sorgfaltspflicht nicht voll erfüllt.

Flugzeugunglück in der Rhön: Richter rügt mangelnde Sorgfalt

Der Vorsitzende Richter sagte in der Urteilsbegründung, der Angeklagte hätte angesichts der besonderen Umstände Landung und mögliches Durchstartmanöver vor Flugantritt berechnen müssen. Das verlangen die Vorschriften nicht, hätte aber dazu geführt, einen Plan B zu haben. Und er hätte früher erkennen müssen, dass die Landung nicht gelingen wird, und durchstarten müssen.

Der Vertreter des Nebenklägers sagte, seinem Mandanten gehe es nicht um Strafe, sondern darum, das Geschehene zu verstehen. Er sprach davon, dass während das Verfahrens ständig „das Leid im Raum anwesend“ gewesen sei, und meinte damit das Leid seines Mandanten, aber auch das des Angeklagten.

Bevor sich das Gericht zur Beratung zurückzog, endete die Sitzung so emotional, wie sie begonnen hatte. Der sichtlich erschütterte Angeklagte zog einen zweimal gefalteten Zettel aus seiner rechten Sakkotasche, faltete ihn umständlich auf und richtete seine wenigen Sätze direkt an den ihm gegenübersitzenden Nebenkläger. Mit gebrochener Stimme, den Tränen nahe sagte er: „Es wird für den Rest meines Lebens keinen Tag geben, an dem ich nicht an das Leid denke, dass ich verursacht habe. Meine Gedanken sind bei den Opfern.“

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