1. Startseite
  2. Rhein-Main

Sorgenkind untere Louisenstraße

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Darauf, dass die Menschen aufgrund der Krise derzeit sparen, deutete am Samstag auf der unteren Louisenstraße nichts hin - dort herrschte ziemlicher Andrang. priedemuth
Darauf, dass die Menschen aufgrund der Krise derzeit sparen, deutete am Samstag auf der unteren Louisenstraße nichts hin - dort herrschte ziemlicher Andrang. priedemuth © priedemuth

Konsumlaune schlecht wie selten / Runder Tisch zur Aufenthaltsqualität

BAD HOMBURG - Wie geht es weiter auf Bad Homburgs Einkaufsmeile? Klar ist: Vor allem kleine und mittelgroße Innenstädte kämpfen. Gegen die Konkurrenz im Internet, die großen Einkaufszentren und, das ist neu, eine Konsumlaune im Sinkflug: Inflation und Energiekrise sorgen dafür, dass die Menschen lieber sparen als shoppen. Die Verbraucherstimmung ist laut dem Handelsverband Deutschland schlecht wie nie.

Vor allem die untere Louisenstraße gilt als Sorgenkind: Die Aufenthaltsqualität ist ausbaufähig, ebenso die Frequenz. Ein Problem, mit dem sich nun auch das Citymanagement im Rathaus beschäftigt - der jüngste Runde Tisch des Projekts Netzwerk Innenstadt drehte sich um ebendiesen Abschnitt: Citymanagerin Tatjana Baric sprach mit Einzelhändlern, Vermietern, Zentren-Betreibern und der Aktionsgemeinschaft darüber, wie sich die Attraktivität der unteren Louisenstraße steigern ließe.

„Die Fußgängerzone ist sehr lang, und von oben bis unten gibt es ganz verschiedene Belange“, sagt Baric. „Der untere Teil ist auch städtebaulich anders aufgestellt: Oben haben wir zwei große Plätze, die sich bespielen lassen, unten nicht“, erklärt die Citymanagerin. Was also tun?

Vorm Kurhaus-Umbau kein neues Stadtmobiliar

Eine Strategie stehe noch nicht, sagt Stadtsprecher Marc Kolbe im Nachgang zum Runden Tisch, der nicht öffentlich stattfand. „Wir wollten uns erst mal mit den Anrainern zusammensetzen, hören, wo der Schuh drückt und welche Ideen es vielleicht schon gibt. Es wurde offen gesprochen und wir haben Anregungen gesammelt. Es gibt aber noch nichts Spruchreifes“. Er rechnet aber „zeitnah“ mit Ergebnissen.

STADT SUCHT KREATIVE GESCHÄFTSIDEEN

Förderprogramm „Zukunft Innenstadt“ : In sechs Projekte sollen Landesmittel von 250 000 Euro fließen.

„Pop-up! Bad Homburg“ heißt das erste von sechs Projekten. Es fördert Existenzgründer, die ihre kreative Geschäftsidee in der Innenstadt ausprobieren wollen. „Wir haben schon sechs Immobilienangebote und fünf Interessenten“, freut sich Baric .

Etwa im La Vie , ehemals Louisen-Center, gebe es Flächen, die genutzt werden könnten. Baric kann sich dort unter anderem Kunst vorstellen. „Die Lage ist zentral und attraktiv, vielleicht können wir auch die Schaufenster bestücken.“

Bewerbungen sind noch bis Ende April möglich, am besten im Internet: popup.bad-homburg.de. „Wenn das Konzept gut ist und das Angebot in der Innenstadt aufwertet, schauen wir nach einer Fläche, gegebenenfalls auch außerhalb des Förderprogramms“, verspricht Baric. mrm

Ein Thema: das Stadtmobiliar, das in der oberen Fußgängerzone neuer und frischer als unten sei. „Zeitnah“ dürfte sich an diesem Zustand allerdings nichts ändern: Schließlich steht das Mammutprojekt Kurhaus-Umbau oder -Neubau ins Haus, also eine Großbaustelle. „Nach einer Sanierung oder dem Neubau des Kurhauses können wir schauen, wie es in Sachen Mobiliar weitergeht“, so Kolbe. Im Netzwerk Innenstadt wolle man sich trotzdem weiterhin regelmäßig austauschen, betont der Sprecher. „Die Stadt bespielt das Umfeld - Veranstaltungen wie das Tennisturnier, der Boom-Designmarkt oder auch der Weihnachtsmarkt steigern die Frequenz -, die Einzelhändler füllen es.“

Dabei unterstützt auch die Aktionsgemeinschaft: Man leiste „Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Vorsitzender Eberhard Schmidt-Gronenberg. „Eine nachhaltige Standortverbesserung kostet viel Geld, das können wir als Gewerbeverein nicht stemmen. Wir können mit Veranstaltungen helfend wirken, gleichmäßig verteilt.“ Schließlich seien Mitglieder der Aktionsgemeinschaft von der oberen bis zur unteren Louisenstraße vertreten. „Wir sind zur Neutralität verpflichtet, und das ist auch gut so“, betont der Halbach-Chef.

Die Gastronomen, auch in der unteren Louisenstraße, hätten ihre Außenbereiche schon ansprechend gestaltet. „Jetzt müssen die Dinge von der Stadt kommen und von den Einzelhändlern“, so Schmidt-Gronenberg. Von der Stadt Investitionen, etwa in eine neue Möblierung - „aber weil kein Geld da ist, ist das obsolet, und die Frage ist ja in der Tat, was mit dem Kurhaus passiert, sonst bekommen wir einen Flickenteppich“.

Ohnehin sei die Möblierung der „kleinste Teil“, weiß der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft: „Eine schöne Bank und Blumenkübel machen 20 Prozent aus. Die wahren Impulse kommen aus den Läden, dem La Vie und der Rathaus-Ladengalerie selbst heraus.“ Weder die Stadt noch die Aktionsgemeinschaft seien da federführend. Schmidt-Gronenberg: „Die Attraktivität, die man sich selbst gibt, das sind die 80 Prozent. Aber dafür braucht es einen langen Atem, gerade in dieser Zeit, und eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.“ Bei den Aktivitäten der Aktionsgemeinschaft in der Innenstadt soll die untere Louisenstraße nun verstärkt einbezogen werden, auch die Rathaus-Eigentümer hätten schon ihre Unterstützung signalisiert. Als Nächstes stehe im Frühsommer das Weinfest an: „In der Ladengalerie oder draußen können sie sich Weinstände suchen oder einen Weinmarkt organisieren. Das Gleiche beim Erntedankmarkt, da könnten sie sich Bauern für einen ökologischen Markt suchen.“ Wenn so etwas dann ein, zwei Mal geklappt habe und die Läden fester Teil des Geschehens seien, so Schmidt-Gronenberg, „können wir auch versuchen, die Genehmigungen zu bekommen, dass sie am verkaufsoffenen Sonntag teilnehmen dürfen“.

Auch interessant

Kommentare