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Blick auf die Uniklinik in Mainz.

Villa Metabolica

Sorgen wegen Sparkurs an Uniklinik Mainz

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Selbsthilfegruppen seltener Krankheiten fordern ein Eingreifen der Politik gegen den drastischen Sparkurs im Klinikum.

Wieder meldet sich eine Selbsthilfegruppe wegen des Personalabbaus an der Universitätsklinik Mainz. Die Abteilung für seltene Erkrankungen, genannt Villa Metabolica, werde „zu Tode gespart“, schreibt der Verein „Hand in Hand“, der Patienten vertritt, die an Tay-Sachs und Sandhoff leiden. Politik und Gesellschaft dürften nicht länger zusehen, wie die medizinische Versorgung sich weiter verschlechtere. „Noch immer sterben im reichen Deutschland Menschen, darunter vor allem viele Kinder, deren Krankheit aufgrund ihrer Seltenheit von Forschern, Kliniken und Krankenkassen sträflich vernachlässigt wird“, sagt Folker Quack, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe. 900 Patienten aus ganz Deutschland und teilweise dem Ausland würden in der Villa Metabolica seit vielen Jahren optimal betreut. „Mit jetzt noch drei, vier Arztstellen, die die Uniklinik der Villa Metabolica garantiert, ist diese definitiv nicht mehr arbeitsfähig.“

Der Selbsthilfe-Verein „Pompe Deutschland“ fordert die Bundesregierung ebenfalls auf, Behandlungszentren für seltene Erkrankungen ausreichend zu finanzieren und die Forschung zu stärken. Das Beispiel Mainz zeige, dass unter starkem wirtschaftlichem Druck die Versorgung leide, sagt Vorsitzender Thomas Schaller: „Therapien fallen aus oder Patienten müssen sehr lange auf wichtige Untersuchungstermine warten.“ Von den deutschlandweit rund 20 Stoffwechselzentren seien außer Mainz nur wenige auf die seltenen lysosomalen Speichererkrankungen spezialisiert.

In der vergangenen Woche hatte die Selbsthilfe-Organisation der Gaucher-Kranken Alarm geschlagen. Patienten sei gesagt worden, die Sprechstunden fänden nicht mehr statt.

Die Klinik schwieg zunächst dazu und dementierte erst nach der FR-Berichterstattung: Die Sprechstunden fänden statt. In welchem Umfang, mit welcher Qualität und mit welchem Personal, will der Vorsitzende der Gaucher-Gesellschaft, Pascal Niemeyer, gerne wissen. Der zuständige Arzt sei ab 1. März weg. Antworten will die Klinik der FR Mitte dieser Woche geben. Zuvor gebe es ein Gespräch mit der Gaucher-Gesellschaft.

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