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Sorge vor dem Totalausfall

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Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist die Arbeit mit den Kindern in unseren Kindertagesstätten weder leistbar noch verantwortbar.“ In einem offenen Brief an Hessens Sozialminister Kai Klose hat Dekan Volkhard Guth als Verantwortlicher für 14 Kitas im evangelischen Dekanat Wetterau Alarm geschlagen. Man werde Gruppen schließen und Kinder abweisen müssen.

Er müsse alle in diesem System schütze: Kinder, Eltern und Mitarbeitenden, auf deren Rücken die gesamte Situation ausgetragen werde. Es gebe einen „Systemfehler, dem ein Systemversagen zu folgen droht“, warnt Guth. Der Fachkräftemangel sei bereits Realität, doch die Landespolitik halte „an geradezu grotesk anmutenden Fachkräfteschlüsseln“ fest und beabsichtigen, diese auch weiterhin zu verschärfen. Diese restriktive Politik erschwere den Alltag in den Kitas vor Ort zusätzlich.

Immer mehr Kommunen würden die Möglichkeiten von Tarifzulagen schaffen. „So absurd es klingt: Einzelne kommunale Vertreter nehmen die kurze Zeit ihres Lohnvorteils gegenüber freien und kirchlichen Trägern zum Anlass, dort Fachkräfte abzuwerben“, klagt der Dekan.

Auch werde der Ton rauer. „Eltern neiden anderen Eltern den Platz ihrer Kinder, Eltern bringen nachweislich kranke Kinder in Einrichtungen und Erzieherinnen müssen sie zurückweisen. Eltern lassen Träger ihren Unmut angesichts der Gesamtsituation spüren, die Ihre Politik verantwortet“, schreibt Guth an Klose. Es zeichne sich ab, „dass wir in wenigen Monaten an vielen Stellen einen Totalausfall erleben werden“. Zeit fürs Kind bleibe bei all dem wenig.

Der Dekan schließt mit einem Appell an die Landespolitik. Den Kita-Trägern müsse die Möglichkeit geschaffen werden, für die nächsten fünf Jahre vereinfachte Zugänge zum Erzieher- oder Kinderpflegerberuf zu bekommen. Personal müsse auch von Quereinsteigern und verwandten Berufsgruppen kommen dürfen. red

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