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Am Stand der Citybahn-Gegner und Bürgerentscheidbefürworter...

Wiesbaden

Sorge um Stadtbild und Bäume

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Gut ist der Zulauf bei der Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative Mitbestimmung Citybahn.

Immerzu bleiben Passanten am Stand der Bürgerinitiative Mitbestimmung Citybahn stehen. Sie wollen sich über deren Argumente informieren oder wissen, worin der Unterschied zur anderen Bürgerinitiative gegen die Citybahn besteht. „Unsere Fragestellung für den Bürgerentscheid ist mit dem Rechtsamt abgeklärt“, erläutert Harald Weber, Mitbegründer der BI, gerade einem Interessenten. Andere Passanten setzen ihre Unterschriften gleich auf eine der Listen. Sie haben in der Zeitung gelesen, dass die BI am Samstag beginnt, Unterschriften zu sammeln. Die ersten Bürger seien schon gekommen, bevor der Stand an der Ecke Mauergasse / Marktstraße aufgebaut gewesen sei, erzählt Weber.

Rund 6300 Unterschriften benötigt die Bürgerinitiative, sammeln will sie aber mindestens 8000. Jede Unterschrift werde vom Rechtsamt geprüft, weiß Weber. „Erfahrungsgemäß sind bei solchen Aktionen 20 Prozent der Unterschriften ungültig, weil sie unleserlich sind oder die Betreffenden woanders wohnen.“

Zu den Wiesbadenern, die unterschreiben, zählt Christine Schrauth. „Sie sollten lieber die Aartalbahn wieder in Gang setzen“, sagt die 53-Jährige, die im Kohlheck wohnt. Wie viele, die einen Bürgerentscheid wollen, nennt sie den geplanten Streckenverlauf und die nötigen Baumfällungen als Gründe.

Helmut Kahabka befürchtet hohe Baukosten. Er hält die Citybahn für den falschen Ansatz. „Um die Leute zu bewegen, mehr öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, müssten sie billiger werden“, sagt der 46-jährige Biebricher.

Kritik an Trassenverlauf

Wie Helmut Kahabka kritisiert Caroline Wölfinger den geplanten Streckenverlauf und die weiten Wege zu den Haltestellen. „Man will, dass ältere Menschen mobil bleiben“, sagt sie im Hinblick auf das steigende Durchschnittsalter der Wiesbadener Einwohner. „Doch wie sollen die ihre Einkäufe schleppen?“ Christine Wölfinger besuchte in Biebrich, wo sie wohnt, die Veranstaltung zur Citybahn und nimmt online aktiv am Bürgerdialog teil. „Die Informationen, die wir bekommen, sind nicht hundertprozentig durchdacht“, sagt sie. „Wenn man dagegen argumentiert oder eine kritische Frage stellt, wird man gleich niedergeknüppelt – gerade im Internet.“

Birgit Saala erinnert sich noch an die Straßenbahnen, die bis 1955 in Wiesbaden verkehrten. Sie hält die Busse für viel flexibler. Als Gehbehinderte spielt die Entfernung zur Haltestelle auch eine Rolle. Wie viele andere Unterzeichner befürchtet sie, dass das Stadtbild zerstört werde. Sie verweist auf das Beispiel Mainz: „Die vielen Elektromasten der Mainzelbahn sehen furchtbar aus.“

Die 32-jährige Lena unterschreibt und nimmt mehrere Listen mit, um selbst Unterschriften zu sammeln. In ihrem Freundeskreis gebe es Interesse daran, sagt die gebürtige Wiesbadenerin.

Sie sehe das politische Bestreben, ein Projekt durchzudrücken, ohne Alternativen zu prüfen. „Es gibt aber kontroverse Meinungen, und ich bin überzeugt, dass wir Bürger das Recht haben, mitzubestimmen.“ Matthias Löw aus Eltville spricht sich klar gegen einen Bürgerentscheid aus. Er bezweifelt, dass sich alle vor einer Abstimmung umfassend informieren. Zudem erreiche der angestrebte Bürgerentscheid nicht die Gesamtheit der Betroffenen, gibt der 61-Jährige zu bedenken. „Die Citybahn betrifft doch nicht nur Wiesbaden, sondern auch das Umland.“ Die Bevölkerung dort habe Interesse an einer guten Verkehrsanbindung.

Florian und Hanna Meuser überzeugen die Argumente der Citybahn-Gegner nicht. Sie gehen von deren Stand 70 Meter weiter zum Stand der Bürgerinitiative Pro Citybahn, der seitlich des Rathauses steht. „Wir wollen Ihnen Mut zusprechen“, sagen sie zu den BI-Mitgliedern.

Gerade informiert sich eine ältere Dame im Pelzmantel über das Vorhaben. Sie ist für die Citybahn: „Man muss doch mit der Zeit gehen.“

Der Zulauf ist nicht so groß wie am Stand der Gegner. Die Resonanz auf deren Aktion übertreffe alle Erwartungen, sagt Harald Weber. „Der Bedarf für einen Bürgerentscheid ist offensichtlich vorhanden.“ Eben habe sogar ein eingetragenes Mitglied der Grünen unterschrieben.

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