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In Hessen wurden im vergangenen Jahr 1537 Fälle von Missbrauch an Minderjährigen bekannt (Symbolfoto).

Politik

Sorge um das Kindeswohl in Hessen - besserer Schutz gegen Missbrauch gefordert

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Die hessische Opposition fordert einen besseren Schutz gegen Missbrauch. 1537 Fälle weist die Statistik für das vergangene Jahr aus.

In Hessen wurden im vergangenen Jahr 1537 Fälle von Missbrauch an Minderjährigen bekannt. Die mit Abstand häufigsten Delikte betreffen Kinder, so die Statistik des Bundeskriminalamt. Die Landtagsopposition nimmt die jüngst veröffentlichten Zahlen zum Anlass, mehr Aktivitäten von der Landesregierung zu fordern: Yanki Pürsün von der FDP-Fraktion sieht die Notwendigkeit eines Landesmissbrauchsbeauftragten. Die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Lisa Gnadl, will Betroffene und Beteiligte an einen Tisch holen: „Eine parlamentarische Anhörung ist ein wichtiger Schritt, um ein Maßnahmenpaket zu schnüren, mit dem wir Missbrauch besser verhindern und zurückdrängen können.“

Betrachtet man die Zeitreihe der vergangenen zehn Jahre, so bewegen sich die Zahlen beim sexuellen Kindesmissbrauch auf ähnlichem Niveau. Einen Ausreißer verzeichnet die Polizeistatistik für das Jahr 2012 mit 1119 Fällen. Einen Missbrauchsbeauftragten auf Landesebene hält Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) gleichwohl für entbehrlich. In seiner Antwort an die FDP verweist er auf den vor sieben Jahren in Kraft getretenen „Aktionsplan“ des Landes, der unter anderem die Kooperation und Vernetzung vorsieht, damit die unterschiedlichen Institutionen besser fachübergreifend zusammenarbeiten können: insbesondere Jugendämter, Schutz- und Hilfseinrichtungen, Polizei, Justiz, Ausländerbehörden. „Das Verständnis für die jeweilige Sicht- und Handlungsweise ist die Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit im Interesse des betroffenen Kindes“, sagt Klose. Ergänzend weist der Minister auf das „ausdifferenzierte Netz an Unterstützungseinrichtungen“ hin, etwa Frauenhäuser, Notrufe, Schutzambulanzen, Interventions- und Beratungsstellen. Und auf den „engen Kontakt“ zum unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundes. Im Übrigen hätten bisher einzig Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt gesagt, die Stelle eines speziellen Landesbeauftragten zu prüfen.

Nach Ansicht der SPD-Abgeordneten Gnadl zeigt die aktuelle Statistik, dass Hessens Strukturen nicht ausreichen. Daraus leitet sie Forderungen an das Land ab: dauerhafte Förderung der Ombudsstelle für Kinder- und Jugendrechte in Hessen, bessere Unterstützung der kommunalen Jugendämter sowie eine Studie zu der Frage der nicht angezeigten Fälle. Die Statistik zeige nur die Spitze des Eisbergs: „Das Dunkelfeld geht wohl deutlich über die bekannten Schicksale hinaus.“

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