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Die Diskussion verläuft so, als ob einige zusätzliche Sonntagstermine die Innenstädte vor dem Veröden retten müssten. Das ist mitnichten der Fall.

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Sonntagsöffnung: Vorschlag ist nur eine Scheinlösung

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Es gibt attraktive Innenstädte auch mit der derzeitigen Zahl von Sonntagsöffnungen. Wer den vagen Begriff des „öffentlichen Interesses“ als Anlass vorschlägt, wird vor Gericht sein blaues Wunder erleben. Der Kommentar.

Am kommenden Sonntag öffnen Geschäfte in sieben hessischen Städten, zum Beispiel in Bad Homburg und Rüsselsheim. In der Woche danach können die Menschen in Hofheim, Kronberg, Wetzlar und anderen hessischen Kommunen shoppen gehen.

Man könnte in der aufgeregten politischen Debatte fast vergessen, dass es verkaufsoffene Sonntage in Hessen gibt – jedes Jahr zu Hunderten. Die Diskussion verläuft so, als ob einige zusätzliche Sonntagstermine die Innenstädte vor dem Veröden retten müssten. Das ist mitnichten der Fall.

Es gibt attraktive Innenstädte auch mit der derzeitigen Zahl von Sonntagsöffnungen. Wer rund um die Uhr shoppen will, tut das längst – im Internet. Diesen Trend werden einzelne Ereignisse wie ein weiterer verkaufsoffener Sonntag nicht brechen können.

Auf der anderen Seite steht eine Kultur der Sonntagsruhe auf dem Spiel. Sie prägt unser Land, sie setzt der Ökonomisierung Grenzen. Wer sie abschaffen wollte, müsste die höchste aller rechtlichen Hürden nehmen und Hand ans Grundgesetz legen.

Die Scheinlösung, die von Bürgermeistern und Verbänden jetzt vorschlagen wird, würde nicht tragen. Wer den vagen Begriff des „öffentlichen Interesses“ als Anlass vorschlägt, wird vor Gericht sein blaues Wunder erleben. Das würde niemandem helfen, auch nicht den Kommunen. Sie brauchen vor allem eines: Sicherheit, dass der geplante verkaufsoffene Sonntag tatsächlich stattfindet.

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