1. Startseite
  2. Rhein-Main

Sommerbilanz am Flughafen Frankfurt fällt schlimm aus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Oliver Teutsch

Kommentare

Rhein-Main ist derzeit mehr als früher ein Ferienflughafen.
Rhein-Main ist derzeit mehr als früher ein Ferienflughafen. © ROLF OESER

Deutschlands größter Airport muss sich an verändertes Reiseverhalten anpassen. Viele Starts und Landungen am Morgen und Abend.

Die Sommerbilanz fällt für den Frankfurter Flughafen nicht eben schmeichelhaft aus. Lange Wartezeiten, vermisstes Gepäck und Tausende stornierte Flüge haben den Urlaubsreisenden das Leben schwer gemacht. Vor allem bei den Flugstornierungen liegt Deutschlands größter Flughafen weit vorn, wie Oskar de Felice, Leiter der Rechtsabteilung beim Fluggastportal Flightright, zu berichten weiß: „Der Flughafen Frankfurt ist diesen Sommer von Stornierungen europaweit einer der am meisten betroffenen Flughäfen.“ In den Monaten Juni, Juli und August sind de Felice zufolge mehr als 1600 Abflüge gestrichen worden, was etwa dreieinhalb Prozent der Gesamtabflüge ausmache. Von den 20 größten europäischen Flughäfen seien nur in Oslo prozentual noch mehr Flüge gestrichen worden. Dementsprechend hätten sich auch überdurchschnittlich viele Flugreisende wegen Problemen am Flughafen Frankfurt an Flightright gewandt.

Der Flughafenbetreiber Fraport teilt auf FR-Anfrage mit, der Betrieb in den Sommerferien sei „stabil und geordnet“ gelaufen. Zwar habe in den Ferien Hochbetrieb in den Terminals geherrscht, zu ausufernden Wartezeiten sei es aber nicht gekommen. Mathias Venema, der zuständige Fachbereichsleiter für den Flughafen bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, kann bestätigen, dass es zumindest bei den Sicherheitskontrollen „eigentlich noch ganz gut gelaufen ist“. Im Vergleich zu anderen Flughäfen wie Köln und Düsseldorf seien die Probleme bei den Sicherheitskontrollen „relativ harmlos“ gewesen. An den dortigen Flughäfen habe es teilweise Wartezeiten von drei bis vier Stunden gegeben. Da die Probleme bekannt gewesen seien, hätten viele Urlaubsreisende für ihren Abflug gleich den Frankfurter Flughafen gewählt, so Venema.

Womit ein organisatorisches Problem schon beschrieben ist. „Der Frankfurter Flughafen hat sich 2022 fast zum Ferienflughafen entwickelt“, sagt Venema. Während Langstreckenflüge nach Asien oder Businessflüge in deutsche und europäische Großstädte noch immer Mangelware sind, waren vor allem sogenannte Warmwasserdestinationen gefragt. Denn auch an Flughäfen wie Leipzig und Hannover werden solche Reiseziele seltener angeboten als noch vor der Pandemie. Im Juni zählte Fraport in Frankfurt knapp fünf Millionen Passagiere, im Juli sogar mehr als fünf Millionen. Das sind zwar noch immer deutlicher weniger als vor der Pandemie, allerdings sind die Flüge über den Tag schlechter verteilt. Denn Urlaubsreisende wollen gern möglichst früh am Morgen los und erst am Abend zurückkommen. So berichtet Fraport in diesem Sommer von „extremen Verkehrsspitzen, mitunter über Vorkrisenniveau“.

Problematisch waren diese Spitzen vor allem bei den personell völlig unterbesetzten Bodenverkehrsdiensten. Dies erklärt das teils ausufernde Gepäckchaos. Während die Passagiere von den einzelnen Airlines und Fremdfirmen noch abgefertigt werden konnten, kam ihr Gepäck in den Spitzenzeiten schlicht nicht mehr mit. So räumt Fraport ein, dass sich im Juni und Juli an einzelnen Tagen „eine vierstellige Anzahl an Gepäckstücken“ fand, die hätten nachversendet werden müssen. Einzelne Gepäckstücke mussten aus der Gepäckförderanlage herausgenommen und zwischengelagert werden. Das sei notwendig gewesen, um den weiteren täglichen Gepäckfluss zu gewährleisten. Seit Ende Juli, so heißt es bei Fraport, gebe es allerdings „außerhalb der Gepäckförderanlage keine Gepäckstücke mehr zum Nachversenden“. Auch dem Verdi-Fachbereichsleiter Venema wurde zurückgemeldet, das Koffermanagement sei im Laufe der Sommerferien deutlich besser geworden, aber immer noch nicht gut. Der Grund dafür, dass es vor den hessischen Sommerferien schlimmer zuging als während der Ferien, ist Venema zufolge eine taktische Entscheidung bei den Bodenverkehrsdiensten. So seien im Juni viele neu Eingestellte für den Ferienansturm von erfahrenem Personal geschult worden. Jenes Schulungspersonal habe dann aber vor den Sommerferien zusätzlich gefehlt. Da der Sommer aber deutlich vor den Ferien anfing, fällt die Bilanz insgesamt nicht eben glänzend aus.

Auch interessant

Kommentare