Denkmalschutz in Hessen

Sollte eine Flakstellung ein Denkmal sein?

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Denkmalpfleger Heinz Wionski spricht im FR-Interview über den Denkmalschutz in Hessen und über Relikte der NS-Zeit.

Herr Wionski, dass Kirchen oder Schlösser unter Denkmalschutz gestellt werden, ist allgemein anerkannt. Wesentlich schwerer scheinen sich die Kommunen mit dem Erbe aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs zu tun. Wodurch wird etwa eine Flakstellung schutzwürdig für spätere Generationen?
Denkmalschutz und Denkmalpflege vermitteln sich in einem ersten Schritt über die unmittelbare Anschauung und in dieser Hinsicht verfügen etwa Schlösser mit zugehörigen Gärten sicher über einen „Platzvorteil“. Eine Flakstellung des Zweiten Weltkriegs als Denk-Mal führt dagegen direkter zum Kernanliegen des Denkmalschutzes, nämlich der umfassenden Aufklärung über historische Ereignisse und Entwicklungen, die zugleich Bestandteil unseres Blicks auf die Gegenwart wird.

Gibt es eine Richtlinie des Landesamtes für Denkmalpflege für den Umgang mit Überbleibseln aus der Zeit von 1933 bis 1945?
Es gibt keine eigene Richtlinie. Aber der Zeitraum von 1933 bis 1945 war mit Beginn einer systematischen Denkmalerfassungskampagne in Hessen anfangs der 1980er Jahre ein selbstverständlicher Teil der Bearbeitung in den einzelnen Städten und Landkreisen.

Spüren Sie einen Wandel im Umgang mit der Vergangenheit? Dass statt eines eher verschämten Umgangs bisher nun offener mit der problembehafteten Vergangenheit umgegangen wird? Schließlich werden die Zeitzeugen, die authentisch berichten können, weniger – sehen Sie da einen Zusammenhang?
Gerade bei den Denkmälern aus der jüngeren Vergangenheit sind nachfolgende Generationen wahrscheinlich weniger stark unmittelbar geprägt und damit offener für neue Sichtweisen. Das Auf und Ab in der Wahrnehmung von Themenfeldern gehört zur Denkmalpflege dazu.

Interview: Frank Sommer

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