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Die App soll unter anderem Wartezeiten in Arztpraxen verkürzen.

Gesundheit

Hessen: App soll gegen Wartezeiten bei Ärzten helfen

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Die Technische Hochschule Mittelhessen in Gießen will eine App gegen die Verschwendung von Lebenszeit entwickeln.

Schluss mit stundenlangem Herumhocken im Wartezimmer des Arztes: Die Technische Hochschule Mittelhessen in Gießen will eine App gegen die Verschwendung von Lebenszeit entwickeln. „Wart-Ab“ soll sie heißen. Thomas Friedel, Professor am Fachbereich, steht mit seinem Team in den Startlöchern. Anders als das hessische Sozialministerium im Dezember meldete, ist der Förderantrag jedoch noch nicht bewilligt. „Wir warten nun seit Wochen auf den Zuwendungsbescheid“, sagt Friedel. Mit sieben Studierenden und einigen Fachleuten will er Wart-Ab bis zum Sommer umsetzen.

Trotz dieser Unwägbarkeiten soll das „Rollout“ im Mai/Juni in Hessen starten. Rund 140 Arztpraxen, sechs Kliniken mit zentraler Notaufnahme und auch zwei Behörden beteiligten sich, sagt der Professor der FR. „Die Lösung funktioniert nicht nur im Gesundheitswesen, sondern überall, wo gewartet wird.“ Und auch nicht nur in Hessen, „sondern auch in Hamburg, München oder Florida“.

Im ersten Schritt geht es einzig um nicht geplante Termine. Bislang kommt der Patient, setzt sich und wartet. Die neue App ermöglicht ihm, in der Zeit spazieren zu gehen oder seine Einkäufe im Supermarkt nebenan zu erledigen. Bedingung: Er besitzt ein Smartphone, mit dem er den Barcode einscannen kann, den die Praxis oder Klinik an ihn vergibt. Und er hält den verabredeten Zeitrahmen ein, nachdem er per Smartphone die Aufforderung bekommt: „Bitte begeben Sie sich sofort in die Praxis.“

Die sehr wichtige Datensicherheit sei gewährleistet, betont Friedel: „Sollte der Server, der natürlich gesichert ist, doch einmal gehackt werden, so würde der Angreifer nur Nummern sehen können.“ Der Hacker wüsste noch nicht einmal, wer sie erzeugt hat oder welcher Patient sie abfragt. Der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Angebot der Gießener und den kommerziellen Entwicklern sei folgender: „Es müssen keine sonstigen persönlichen Daten in einem System abgeben werden.“

Nicht nur das Land Hessen fördert im Rahmen seiner E-Health-Initiative Projekte wie diese. Auch die Techniker Krankenkasse (TK) Hessen unterstützt mit Geld und Know-how. Habe sich die App im Probebetrieb in Hessen bewährt, solle sie bundesweit angeboten werden, sagt TK-Sprecherin Julia App. „Eine tolle Sache“ sei das. „Wartezeiten sind immer wieder Thema bei unseren Versicherten.“

Wie das hessische Sozialministerium am Dienstag mitteilte, ist über den Förderantrag noch nicht entschieden. Generell sei das Land für den Einsatz neuer Technologien aber aufgeschlossen, signalisierte Sprecher Markus Büttner: „E-Health-Innovationen sind ein wichtiger Baustein für eine zukunftsfeste und weiterhin wohnortnahe, qualitativ hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten.“

Die Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen im Überblick

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung veröffentlichte zuletzt vor sechs Jahren eine Studie zu den Wartezeiten. 

Rund neun Prozent der Patienten warten demnach zwei oder mehr Stunden in einer Arztpraxis auf das Aufrufen, 16 Prozent saßen mindestens eine Stunde. jur

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