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Sojabohnen brauchen Wärme. Im Süden Hessens könnte der Anbau gelingen. 

Landwirtschaft

Sojabohnen aus Hessen

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Das Land fördert den Anbau bodenschonender Eiweißpflanzen. Die Linke will nur noch Öko in Hessen.

Für Tilmann Hirsch ist es eine Premiere. Ende Februar wird der Junglandwirt aus Bruchköbel erstmals Erbsen und Sojabohnen säen. Ein wirtschaftliches Risiko, das der Familienbetrieb im Nebenerwerb nur eingeht, weil das Land den Anbau von Eiweißpflanzen jetzt finanziell fördert. Das eröffne ihm die Chance zu testen, ob der Anbau funktioniert, und könnte ihn auf dem Weg zum Umstellen auf Öko weiterbringen, sagt der 26-Jährige aus dem westlichen Main-Kinzig-Kreis, der derzeit an seiner Masterarbeit für die Uni Gießen sitzt. Der Schutz der sehr guten Böden in seinem Betrieb, sagt er, liege ihm sehr am Herzen. Deshalb nehme er an dem Programm teil. „Meine Motivation besteht darin, dass ich durch die Verringerung des Raps- und Getreideanbaus und eine erweiterte Fruchtfolge in Zukunft weniger Pflanzenschutzmittel und Stickstoffdünger einsetzen muss.“ Zumal sich der Rapsanbau, auch wegen der Trockenheit, immer weniger rechne.

Das Programm 940
Betriebe werden ab nächstem, Jahr auf insgesamt 85 000 Hektar Eiweißpflanzen wie Erbsen, Bohnen, Sojabohnen, Lupine oder Linsen auf mindestens zehn Prozent ohrer Fläche anbauen.

1 5 Millionen Euro stehen dafür aus dem Haushalt 2019 bereit. Für das Jahr 2020 hat die Landesregierung weitere 10 Millionen Euro für die „Vielfältigen Ackerkulturen“ zur Verfügung gestellt.

Das Programm ist Teil des Hessischen Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen mit einer jährlichen Fördersumme von insgesamt 54 Millionen Euro. 

Der Betrieb in Bruchköbel ist einer von insgesamt 940, die im nächsten Jahr auf mindestens zehn Prozent ihrer Fläche Eiweißpflanzen anbauen werden. Sie reduzieren damit nicht alleine den Futtermittelbedarf an Soja aus Südamerika und tragen zum Schutz des Regenwalds bei. Erbsen, Lupinen & Co. benötigen kaum Dünger, sondern reichern Stickstoff an. „Dadurch entsteht mehr Humus, der wiederum CO2 bindet“, sagt Umweltministerin Priska Hinz am Donnerstag in Wiesbaden bei der Vorstellung des neuen Förderprogramms „Vielfältige Ackerkulturen“.

Ein Angebot für alle, wie die Grünen-Politikerin betont. Zwei Drittel der beteiligten Betriebe wirtschafteten konventionell, der Schwerpunkt liege in Nord- und Mittelhessen. Das große Interesse habe sie selbst überrascht, sagt Hinz und hebt hervor, ihr gehe es darum, die Landwirte mit ihren vielfältigen Aufgaben nicht alleinzulassen. Auf knapp einem Fünftel aller hessischen Ackerflächen würden vom nächsten Jahr an mindestens fünf Kulturen angebaut, davon mindestens eine Eiweißpflanze. „Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Böden und Gewässer und bieten außerdem eine Nahrungsgrundlage für Insekten.“

Die Linksfraktion mahnt mehr Entschlossenheit im Kampf gegen zu viel Gülle und Pestizide auf den Äckern sowie zu viel Nitrat im Grundwasser an. „Was wir brauchen, ist ein Systemwandel hin zu einer Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft“, sagt Heidemarie Scheuch-Paschkewitz, die landwirtschaftspolitische Sprecherin der Linken. „Die Förderung vielfältiger Ackerkulturen ist gut, kann aber die Schäden durch die EU-Subventionen nicht heilen.“

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