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Sogar an Starlink angebunden

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Frank Juli (Mitte) und der Leiter der Feuerwehr, Daniel Guischard (links), zeigen OB Alexander Hetjes eines der großen Notstromaggregate, wie sie im Bedarfsfall bei den Notfallräumen zum Einsatz kämen.
Frank Juli (Mitte) und der Leiter der Feuerwehr, Daniel Guischard (links), zeigen OB Alexander Hetjes eines der großen Notstromaggregate, wie sie im Bedarfsfall bei den Notfallräumen zum Einsatz kämen. hko © hko

Notfall-Infrastruktur für den Fall eines Stromausfalls steht / Vernetzung gewährleistet

BAD HOMBURG - Was es bedeutet, wenn der Strom mal für einige Stunden ausfällt, mussten jüngst etliche Anwohner in Dornholzhausen erfahren. Dabei ist der örtlich und mit weniger als 24 Stunden auch zeitlich begrenzte „Blackout“ eine Situation, die vielleicht nicht für den Einzelnen, aber zumindest für die Gesamtheit vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen war. Ein paar Hundert Meter weiter funktionierten die Geldautomaten, Supermarktkassen und Zapfsäulen ganz normal. Auf ein Szenario, das weit über solche Vorfälle hinausgeht, bereitet sich die Bad Homburger Feuerwehr vor - und das nicht erst seit der jüngsten Energiekrise. Mit etwas Stolz präsentierte der Leiter der Feuerwehr, Branddirektor Daniel Guischard, die umfangreiche „Expertise Blackout“ für Bad Homburg von 2015, auf deren Grundlage sich die Stadt noch einmal intensiver für den Fall der Fälle gerüstet hat. Das Konzept werde stetig verfeinert und angepasst, wie die drei hauptamtlichen Dezernenten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Haupt-Feuerwache betonten, bei der die Wehr einen Teil des für den Ernstfall zur Verfügung stehenden Equipments zeigte.

Rumpf-Verwaltung im Technischen Rathaus

Man wolle dabei zeigen, so erklärte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), dass man gerüstet ist - und es keinen Grund zur Panik gebe. „Vorsorge heißt das Gebot der Stunde. Natürlich hoffen wir, dass wir die Notfall-Infrastruktur gar nicht erst in Anspruch nehmen müssen. Aber die elementare Botschaft ist: Wir sind vorbereitet.“ Unter anderem wurde das Technische Rathaus jetzt für den Fall eines Stromausfalls optimiert, um dort eine Rumpf-Verwaltung arbeitsfähig zu halten. Dort kann nun ein Notstromaggregat angeschlossen werden, bald lässt sich auch ein „Hot Mobil“, also eine externe Heizung, anschließen. Durch ein unabhängiges Netzwerk besteht auch dann eine direkte Daten- und Kommunikationsverbindung zur Feuerwache. Auch mit der Polizei ist eine Vernetzung möglich.

„Oberste Priorität haben die Notfallversorgung der städtischen kritischen Infrastruktur und die Schaffung von Anlaufpunkten für die notleidende Bevölkerung“, betonte denn auch Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak (CDU), der als Dezernent den Bereich Feuerwehr verantwortet und den städtischen Krisenstab leitet. Für die Feuerwehr bedeutet die Blackout-Vorsorge eine große logistische Herausforderung. „Es geht nicht nur darum, Strom zu erzeugen, sondern auch darum, ihn zu regeln und zu verteilen“, so Guischard. Vom großen Aggregat auf Wechsellader-Basis mit einer Leistung von 250 Kilowatt und einem 1000-Liter-Diesel-Tank, der einen Betrieb von bis zu 24 Stunden mit einer Füllung ermöglicht, bis zum „handlichen“ Notstromerzeuger reicht das Spektrum.

Auch die weitere Infrastruktur ist vorhanden: Heizgeräte etwa, elektrisch für den Innen-Betrieb oder mit Kraftstoff für eine Installation außen mit Luftzufuhr in die Innenräume. Und Licht, viel Licht, für die Innenräume. „Dank der modernen LED-Technik brauchen wir dafür nur noch ein Zehntel des Stroms, den wir früher mit den Halogen-Strahlern benötigt haben“, informiert Guischard. Die Warn-Infrastruktur, sprich Sirenen, kann auch ohne Strom über Wochen funktionieren. Aktuell wird eine weitere Anlage in Kirdorf vorbereitet. Ein besonderes Hilfsmittel zeigt Frank Juli von der Feuerwehr: Ein Satelliten-Telefon, mit dem sich via Starlink innerhalb einer Minute vollkommen unabhängig von der erdgebundenen Infrastruktur ein Internetzugang herstellen lässt.

Auch wenn die Feuerwehr gut aufgestellt ist und ein Netzwerk mit Firmen und Ansprechpartnern hat, die zuarbeiten können: mit entscheidend ist der Vorlauf. Und da hat Jedynak eine gute Nachricht. „In Gesprächen mit Stromversorgern haben wir signalisiert bekommen, dass es im Fall einer Netzabschaltung einen Vorlauf von bis zu 48 Stunden geben soll.“ Das wäre ausreichend Zeit, die Bürger zu informieren und Vorbereitungen zu treffen.

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