1. Startseite
  2. Rhein-Main

So könnte das neue Kurhaus aussehen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Zwei Entwürfe ausgewählt / Für Neubau oder Sanierung sollen bis April die Kosten feststehen

bad homburg - Der geplante Neu- oder aber Umbau des Kurhauses ist das größte Infrastrukturprojekt der kommenden Jahre. Seit rund 180 Jahren prägt es die Stadt und ist auch für deren Zukunft von enormer Bedeutung. Jetzt ist das 38 Jahre alte Gebäude marode. Auch das Raumkonzept, die technische und energetische Ausstattung entsprechen nicht mehr den heutigen Standards.

Seit rund zwei Jahren lässt die Stadt Architekten untersuchen, wie ein neues Kurhaus aussehen könnte. Seit Juli dieses Jahres weiß sie, dass die Hotelkette Maritim, der 30 Prozent des Areals gehören, den Umbau nicht mitplanen will. „Die Energiekrise mit Verteuerung von Baumaterialien und die Verringerung von Kongressen in Präsenz nach Corona kamen dazwischen“, erläutert Kurdirektor Holger Reuter deren Beweggründe - Maritim selbst beantwortet Nachfragen nicht.

Der Ausstieg stelle die Planungen aber keineswegs in Frage, betonen Reuter und der Projektleiter des Kurhaus-Umbaus, Michael Guntersdorf - der Architekt hatte zuletzt die komplizierte Errichtung der neuen Frankfurter Altstadt bewerkstelligt. Zum einen sei es einfacher, sich bei den Planungen nicht immer mit einem Miteigentümer abstimmen zu müssen. Zum anderen seien die projektierten Kosten durch die Aussparung eines Gebäudeteils um ein Vielfaches gesunken. Außerdem begleite das Maritim den Prozess konstruktiv. Reuter: „Ich bin überzeugt, dass wir uns, wenn es um die Vereinheitlichung des Areals geht, einigen werden.“

Doch wie einen solch komplizierten Neubau planen, wenn ein Gebäudeteil, der mit dem Rest verzahnt ist, so bleiben soll, wie er ist? Das gehe, auch statisch, so Guntersdorf. Ohnehin werde man schon aus Kostengründen versuchen, intakte Teile des Gebäudes zu erhalten und zu integrieren, sollte es zu einem Neubau kommen. Um das Hotel weiterhin in Betrieb zu halten, bedürfe es während des Umbaus allerdings vieler Zwischenlösungen - etwa weil die Haustechnik außerhalb des Hotelteils liege.

Blickbeziehung zum Park

Vor dem Maritim-Ausstieg stand die Frage, wie das Kurhaus künftig aussehen soll, im Vordergrund der Diskussion. Für die Planer sei die Architektur nun nachrangig, so Guntersdorf; viele Fragen rund um das Raumkonzept müssten zunächst erarbeitet werden.

Für die gestalterische Frage soll auch weiterhin die Bad Homburger Bevölkerung den entscheidenden Hinweis geben, bevor das Stadtparlament nach der Sommerpause seinen Segen gibt - dann auch im Wissen sämtlicher Kosten. Noch nicht entschieden war und ist, ob die Frontfassade historisierend - also dem zweiten Kurhaus an dieser Stelle von 1863 nachempfunden - oder modern werden soll. Oder ob sich, als dritte Möglichkeit, eine Sanierung des Bestandsgebäudes lohnt.

Der Verwaltungsrat der Kur hat zwei Entwürfe aus dem Ideenwettbewerb ausgewählt, die weiter verfolgt werden. Bis Anfang April sollen die beiden Architekturbüros ihre Entwürfe so umplanen, dass der Hotel-Teil bestehen bleibt. Zudem muss jeweils klar sein, was das Projekt kosten würde. „Sie müssen mit den beiden anderen kompatibel sein. Denn die Bürger sollen Äpfel mit Äpfeln vergleich können“, so Guntersdorf mit Blick auf das Sprichwort.

Bei der historisierenden Fassade hat Ferdinand Heide Architekten (Frankfurt am Main) den für die Entscheider besten Entwurf geliefert. Die Front, die stark an den Prachtbau im Stil der Neorenaissance erinnert, soll dabei U-förmig um den Vorplatz rekonstruiert werden. Über ein breites, gläsernes Foyer mit Säulen sollen Vorplatz und Kurpark optisch miteinander verbunden werden.

Die moderne Variante würde das Planungsbüro GMP International (Berlin) liefern. Hier war im Obergeschoss ein „schwebender“ Riegel geplant. Dieser hätte zusätzliche Hotelzimmer aufnehmen sollen, die das Maritim sich vor Corona gewünscht hatte. Dieser Entwurf, der auch in der Ideenwettbewerbsbroschüre abgebildet ist, muss komplett umgeplant werden. „Er wird viel lichter und filigraner“, erklärt Guntersdorf.

Auch eine mögliche Sanierung des jetzigen Kurhauses ist noch im Rennen. Das Büro LMG Architekten (Kronberg) hat den Auftrag, bis April auszurechnen, was diese dritte Variante kosten würde. Die Ergebnisse aus dem Sanierungsgutachten liegen zwar vor; die Stadt will sie aber nicht preisgeben, bevor nicht die Architekten die Kostenschätzungen für die Neubauten gegeben haben.

Auch interessant

Kommentare