Ehrung

Singen und lachen auf der Krankenstation

Marcel Becker aus Mainz ist als „Pfleger des Jahres“ ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Der „Pfleger des Jahres“ kommt aus Mainz: Marcel Becker leitet seit Mitte 2017 eine Station der Urologischen Klinik in der Universitätsmedizin Mainz. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung der Kampagne „Herz und Mut“, initiiert vom Baden-Badener Unternehmen Jobtour medical, hat ihn völlig überrascht. Nominiert wurde er von Joachim Heil, der sich in der Universitätsmedizin Mainz um Patienten mit Demenz kümmert.

„Wir haben hier Patienten aus unterschiedlichen Kulturen und Gesellschaftsschichten, vom Arbeiter bis zum Professor, vom Kind bis zum 100-Jährigen“, erklärt der 24-jährige Gesundheits- und Krankenpfleger vor der Preisfeier in Berlin. „Da ist es wichtig, die richtige Ansprache, die richtigen Worte zu finden.“ Wichtig sei es, den Patienten Mut zu machen – „oft geht es um tumorbedingte Erkrankungen, viele haben deswegen Angst“.

Um die Arbeit im Team möglichst sinnvoll zu organisieren, habe er nach und nach Strukturen, Abläufe und Pflegestandards angepasst, erklärt Becker. Mal bei der Bettenreinigung, mal bei Transporten von Patienten zu Untersuchungen auf anderen Stationen. Ohne sein Team hätte er das alles nicht geschafft.

Bei der Arbeit am Krankenbett wird deutlich, warum sich das Gesicht des Patienten aufhellt, als Becker ins Zimmer kommt. „Wir lachen hier viel, auch mit den Patienten“, sagt der Pfleger. „Und manchmal singe ich mit Schwester Jutta auf dem Flur.“ In Mainz fühle er sich wohl, sagt der Krankenpfleger, der in Osthessen aufgewachsen ist.

Wie überall in der Pflege ist Zeit knapp. „Aber auch mit wenig Zeit muss man das Programm nicht stur durchfahren“, sagt Becker. „Wenn ein Patient lächelnd in den Operationssaal fährt, kommt er auch frohgemut wieder raus.“ Mehr Wertschätzung, das ist auch für den „Pfleger des Jahres“ ein Anliegen. „Da denke ich gar nicht zuerst ans Geld, sondern an das Thema Gewalt in der Pflege.“ Manche Patienten bestünden etwa vehement auf einem Einzelzimmer oder wollten nicht aufstehen und rundum bedient werden. „Oft sind es Kleinigkeiten, aber dann wird schon mal geschrien oder mit Beschwerden gedroht. Das ist eine Form von psychischer Gewalt.“

Eins mit seinem Beruf ist Marcel Becker, wenn ein kranker Patient nach einer Operation die Station wieder fit verlassen kann. „Da sage ich mir: Das ist auch unser Verdienst.“ (dpa)

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