MARKTFÜHRER

Siloturm als Wahrzeichen

Das Wahrzeichen des Hofes stellt das hohe Harvester-Futtersilo dar, welches der Großvater, als er sich in den 50er Jahren in den USA über moderne

Das Wahrzeichen des Hofes stellt das hohe Harvester-Futtersilo dar, welches der Großvater, als er sich in den 50er Jahren in den USA über moderne Landwirtschaft schlau machte, von dort mitgebracht hatte.

Mitten im Dorf lag damals noch der Hof, und wie unerhört modern es zuging, zeigte sich zum Beispiel darin, daß es einen Offenstall gab. Allerdings nur solange, bis sich die Familie zum Aussiedeln entschloß. Der neue Stall hatte dann wieder auf behördliche Anordnung hin einer zum Anbinden zu sein, wie es zur damaligen Zeit üblich war. Heute sind Offenställe gang und gäbe, zumindest auf Bio-Höfen.

Nun ist es im fruchtbaren "Goldenen Grund" sehr schwierig, für bezahlbares Geld Land zu pachten, erzählt Katja Wunike, Studentin der Landwirtschaft und Vorsitzende der Hessischen Landjugend. Denn die Lössböden eignen sich gut für den lukrativen Zuckerrübenanbau. Mit insgesamt 150 Hektar Grund stellte sich für die Wunikes eines Tages die Frage: "Was tun?" Mit der Produktion nach den "Hessenhöfen"-Richtlinien hatten sich die vom Harvester Hof zwar bereits einer extensiven Wirtschaftsweise verschrieben, aber es gab Schwierigkeiten mit der Vermarktung. Sollte man zur konventionellen Intensiv-Landwirtschaft zurück kehren und damit riskieren, die zahlreiche Kundschaft für Milch, Eier, Fleisch und Würste zu verlieren? Oder sich im Gegenteil für die Produktion nach biologischen Richtlinien entscheiden?

Jungbäuerin Katja erzählt nicht ohne Stolz, daß sie und Mutter Elke sich durchsetzten und es zur Zusammenarbeit mit Naturland kam, einem Anbauverband, der sich besonders der Tierhaltung nach biologischen Richtlinien verpflichtet fühlt. Heute indes ist auch Vater Wolfgang zufrieden und aktiv im Öko-Beratungsring; mit den Naturland-Leuten kommt er gut zurecht.

Am letzten Wochenende eines jeden Monats lassen die Wunikes beim Metzger im Dorf schlachten, wo auch zerlegt und die Wurst gemacht wird. Die findet der Marktführer vorzüglich, obwohl sie, wie auch der saftige Kochschinken nicht "öko" ist, sondern Pökelsalz enthält. Weil die Kunden grau gefärbte Wurst ablehnten. Womit es sein Bewenden hat, missionarischer Eifer liegt Familie Wunike fern. Harvest bedeutet im Englischen Ernte. So ist an hofeigenen Produkten einiges zu haben: Bio-Rind- und Schweinefleisch, Eier von frei laufenden Hühnern, täglich frische Brote und Brötchen; Kartoffeln und Getreide sowie ungespritzte Erdbeeren im Frühling. Neben den ausgezeichneten Käsesorten aus hofeigener Bio-Milch (deren Loblied hier schon gesungen wurde), bietet der Harvester Hof mit Bio-Fleisch von Milchkälbern (bitte vorbestellen!) eine regelrechte Rarität, woraus sich vielerlei zubereiten läßt. Die italienische Küche etwa kennt Ossobuco, das aus quer in Scheiben gesägter Haxe besteht. Sie auf bürgerliche Weise zu schmoren, ist aber auch nicht schlecht.

Kommentare