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Der Künstler im Außenspiegel.
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Der Künstler im Außenspiegel.

Im Porträt

Die Signatur des Lichts

Luzius Ziermann ist fasziniert von der Natur. Bisher hat er seine Vorstellungen davon vor allem in knalligen Farben auf Leinwand festgehalten. Nun ist er mit 2500 Spiegeln in die Wüste gezogen. Von Melanie Kräuter

Von Melanie Kräuter

Luzius Ziermann ist fasziniert von der Natur. Bisher hat er seine Vorstellungen davon vor allem in knalligen Farben auf Leinwand festgehalten. Bis ihm die Idee kam, die Natur selbst zum Kunstwerk zu machen und sie zu signieren: Zehn Uhr, mitten in der Wüste Namibias. Es sind etwa 35 Grad, die sich aber wie 45 anfühlen. Der Dünensand ist fest genug, dass man nicht bei einem Schritt nach oben zwei nach unten rutscht. Trotzdem ist jede Bewegung zu viel. Luzius Ziermann scheint das nicht zu stören. Mit Wasserflasche in der Hand und grünen Hut auf dem Kopf klettert er die Düne hinauf.

25 Minuten dauert es, die Sonne brennt. Doch von oben hat er einen tollen Blick auf sein Werk. 2500 Außenspiegel hat er unten in den Sand gelegt und sie zu seinem Zeichen angeordnet, das vor 25 Jahren irgendwie aus seiner Unterschrift entstanden ist und ihn seitdem begleitet. Das Symbol besteht aus zwei sich kreuzenden Strichen, sie stehen für den Längen- und den Breitengrad, darunter ein locker gezeichneter Halbkreis, der die Erdumdrehung symbolisiert und zwei Punkte, die für die hellsten Sterne stehen - Sonne und Mond.

"Der Name Luzius bedeutet der zum Licht Hingeborene", erklärt der Frankfurter Künstler. Und Licht bedeutet für ihn eine ganze Menge. "Durch das Licht ist alles entstanden." Die Natur, die Landschaften, alles, was der 50-Jährige so faszinierend findet. Das Licht definiert sie, macht Farben und Formen sichtbar, hat jede Veränderung in den Millionen von Jahren mitbekommen, macht Leben auf der Erde erst möglich. Mit der Installation in der Wüste "gebe ich dem Licht die Möglichkeit, sein eigenes Werk zu signieren".

Mercedes Benz stiftete für das Projekt einige Außenspiegel, Mazda ebenfalls. Die restlichen kaufte Ziermann bei Schrottplätzen. Dank Abwrackprämie war die Auswahl in Deutschland groß. Im Container wurden die Spiegel in 25 Tagen nach Walvis Bay geschifft. Von dort brachte sie ein Lastwagen zum Ziel. Die Autospiegel liegen auf einer Fläche von 50 mal 50 Metern im Sand. Mehrere Tage hat es gedauert, sie anzuordnen. Ein Computerprogramm hat geholfen: Es hat das "Luzius"-Zeichen gerastert, und angezeigt, in welchem Feld wie viele Spiegel liegen. Mit seiner Assistentin Katharina Molnar verbrauchte Ziermann fünf Kilometer Schnur, um das Raster in den Sand zu übertragen.

Wie funkelnde Diamanten

Jetzt liegen alle Spiegel an der richtigen Stelle und aus der Ferne betrachtet wirken sie wie funkelnde Diamanten. Obwohl nicht weit entfernt Zebras, Oryx-Antilopen und Springböcke stehen, liegt noch alles so, wie es soll. "Zwei Oryx sind in den Schnüren hängen geblieben und haben ein zwei Spiegel weggetreten. Aber das ist eben Natur", sagt er sich. Auch der erste Sandsturm ist überstanden. "Der Regen hat die Spiegel wieder sauber gewaschen."

Seit 1992 arbeitet Luzius Ziermann hauptberuflich als Künstler - und ist überzeugter Frankfurter. Es gab bisher nur zwei Ortswechsel: Sechs Monate München und drei Jahre Schauspielschule in New York. "Bis das Geld ausging." Dann kam der Job in einer Frankfurter Werbeagentur und danach die Kunst. Ziermann malt seit er 18 ist und hat sich alles selbst beigebracht. Seine erste Galerie in Frankfurt hieß Vonderbank, seine erste Ausstellung hatte er 1989 bei der Deutschen Bank in Hanau.

"Weisung von oben" heißt Ziermanns aktuelle Ausstellung, die er auch im Goethe-Zentrum in Namibias Hauptstadt Windhoek gezeigt hat. Seine abstrakten farbenfrohen Bilder entstehen, indem Ziermann zuerst die Leinwand wässert. Wenn sie trocknet, gibt es Falten. Durch einzelne Farbschichten entsteht Räumlichkeit. Man muss nicht zwangsläufig Landschaften in den Bildern sehen, sagt er: "Es könnte auch ein Stück Haut sein unter dem Mikroskop betrachtet, ein Blutgefäß, ein Haar, ein Fingerabdruck, der Fußabdruck eines Elefanten oder die Spur einer Ameise, bewegtes Wasser, ein Blatt oder oder...."

Sein wohl größtes Projekt vor der Ausstellung in Namibia war die Skulptur "Spermatit", die der 50-Jährige 1993 begann. Die acht Meter hohe Bronzeskulptur ist einer "menschlichen Spermazelle" nachempfunden, 1995 versenkte er sie im Main. Zehn Jahre später sollte diese Skulptur sein erstes Projekt im Ausland werden. Die Statue sollte mit Haaren gefüllt in die Arktis transportiert werden - "um den künftigen Generationen Aufschluss über das menschliche Leben zu geben", erklärt Ziermann. Durch die Bewegung der Eismassen im Lauf von geschätzten 100.000 Jahren sollte die Skulptur im Meer landen.

Doch die deutschen Behörden ließen ihn nicht. Das Umweltbundesamt verweigerte Ziermann die Genehmigung, die Statue im Eis zurückzulassen - mit der Begründung, eine Verschmutzung der Landschaft zu vermeiden. Daraufhin verklagte er die deutschen Behörden. Recht hat er bisher nicht bekommen, aber ein paar Instanzen liegen noch vor ihm. Notfalls will er über ein anderes Land klagen, das auch Mitglied des Antarktisvertrages ist. "Andere Länder sehen das viel lockerer."

Aber zurück nach Namibia: Vor zwei Jahren entschied er, keine "normale" Ausstellung zu machen, sondern seine Bilder von der Natur in der Wüste zu zeigen. Für Namibia entschied er sich vor allem wegen des Lichts und der politischen "Machbarkeit". "Zuerst wollte ich 100 Bilder in den Sand legen und zu meinem Symbol anordnen." Dann kam ihm die Idee mit dem Licht und den Spiegeln. Das Wolwedans-Gelände im Namib Rand Nature Reserve erwies sich als geeignete Ort.

Das private Naturreservat ist 172.200 Hektar groß. Durch private Spenden und Einnahmen durch den Tourismus unterstützt Wolwedans das Namib Rand Reservat und die Wolwedans-Stiftung, deren Hauptziele Ausbildung, Konservierung und soziale Entwicklung sind. Aber auch Kultur soll gefördert werden. "Da passt Luzius´ Projekt wirklich perfekt rein", sagt Wolwedans-Chef Stephan Brückner.

Namibia soll die erste von zwölf Stationen für die Spiegel sein. "Danach muss es nicht unbedingt die Wüste sein", sagt Ziermann. Er hat bereits Anfragen von Schweden und Abu Dhabi, Irland könnte er sich auch vorstellen. Alle drei Monate könnte der Ausstellungsort wechseln. Bis Februar soll das Kunstwerk auf dem Wolwedans-Gelände zu sehen sein.

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