Polizisten tragen bei einem Großeinsatz im Dannenröder Forst einen A49-Gegner aus dem Wald.
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Polizisten tragen bei einem Großeinsatz im Dannenröder Forst einen A49-Gegner aus dem Wald.

A49

Das Ringen geht weiter

Die Gegner des Autobahn-Weiterbaus kündigen einen fortgesetzten Widerstand an. Derweil ist die Projektgesellschaft Deges besorgt.

Im Dannenröder Wald fallen trotz heftiger Proteste von Umwelt- und Klimaschützern die Bäume für den Lückenschluss der Autobahn 49. Sowohl im nördlichen als auch südlichen Teil der Waldstücks bei Homberg/Ohm in Mittelhessen hat die Projektgesellschaft Deges seit Beginn der Arbeiten vor einer Woche Bäume für das Verkehrsprojekt fällen lassen. Man gehe davon aus, den Zeitplan einhalten zu können, sagte ein Deges-Sprecher am Dienstag. Das Ziel, die Baumfällarbeiten für die Trasse bis zum Ende der Fällperiode am 28. Februar 2021 abzuschließen, sei „aus unserer Sicht nicht in Gefahr“. Die Aktivisten kündigten derweil weiteren Widerstand an.

Zwei Tage nach dem Absturz einer Aktivistin im Dannenröder Forst zeigte sich der Deges-Sprecher zugleich besorgt über die Entwicklung des Konflikts. „Was wir in den letzten Tagen mit Sorge sehen, ist, dass sich Menschen in Gefahr begeben. Das tun sie offensichtlich bewusst.“ Am Sonntagmorgen war eine 20-jährige Gegnerin des Verkehrsprojekts von einem Tripod – einem als Blockade genutzten, hochbeinigen Gestell – gestürzt und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen.

Verantwortlich dafür soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gießen ein Polizist sein, der zuvor ein Seil durchtrennt habe, das mit dem Tripod verknüpft gewesen sei. Die Verbindung soll für den Beamten nicht erkennbar gewesen sein. Gegen ihn werde nun wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt ermittelt, hatte die Staatsanwaltschaft erklärt. Den Ermittlern zufolge gibt es bislang keine Hinweise auf ein vorsätzliches Handeln.

Kritik an Polizei

Nach dem Vorfall hatten Aktivisten den Polizeieinsatz scharf kritisiert und ihre Forderung nach einem Räumungs- und Rodungsstopp erneuert. Dagegen bekräftigte eine Polizeisprecherin, den Einsatzkräften sei wichtig, „dass im Wald Sicherheit vor Geschwindigkeit geht“. Es würden keine Seile gekappt, „die erkennbar mit Gebilden verbunden sind, auf denen sich offensichtlich Menschen befinden“, hatten die Beamten auf Twitter geschrieben.

Dennoch warfen Aktivisten den Beamten am Dienstag vor, „mit aller Härte und ohne Pause von beiden Seiten der geplanten Trasse Tatsachen zu schaffen“. „Dieser Protest ist längst über den Dannenröder Wald hinausgewachsen“, erklärte „Frida Blume“ vom Bündnis „Wald statt Asphalt“. „Wir sind eine bunte, aber entschlossene Bewegung und uns ist klar: Hier geht es um mehr, hier geht es um eine soziale und gerechte Mobilitätswende und letztendlich um Klimagerechtigkeit, vielleicht geht es hier sogar um alles.“ Man werde auf jeden Fall keine Ruhe geben. „Unsere Proteste werden nicht mit der Rodung aufhören.“

Der achte Einsatztag im Dannenröder Forst verlief derweil nach Polizeiangaben bis zum Nachmittag ruhig. Um Fragen, etwa zu Straßensperrungen oder anderen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Verkehrsprojekt zu beantworten, habe man ein Bürgertelefon geschaltet. (dpa)

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