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Der Übergang vom gelegentlichen Spiel mit Spaßcharakter zu problematischem Glücksspielverhalten bis hin zur Abhängigkeit ist fließend.

Spielsperren

Sich selbst sperren hilft

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Kampf gegen die Spielsucht: Spieler zocken weniger, wenn sie das hessische Schutzsystem nutzen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie viele Spielsüchtige gibt es?
Rund 24 000 Hessen weisen ein problematisches Glücksspielverhalten auf. Rund 13 000 sind glücksspielabhängig. Am häufigsten zocken sie an Geldspielautomaten. Das hat die Hessische Landesstelle für Suchtfragen anhand der Repräsentativuntersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung errechnet.

Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?
Etwa zehn Prozent der Glücksspielsüchtigen sind Frauen. Die Hauptgruppe bilden junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die keine Arbeit haben, deren Zukunftsprognosen eher schlecht sind, die versuchen, darüber Geld zu generieren.

Wann spricht man von Spielsucht?
Der Übergang vom gelegentlichen Spiel mit Spaßcharakter zu problematischem Glücksspielverhalten bis hin zur Abhängigkeit ist fließend. Der Mensch verliert die Kontrolle über das Spielen, weist riskantes Konsumverhalten auf und spielt trotz erheblicher finanzieller Verluste weiter.

Hessen hat als erstes Land im Mai 2014 das Instrument der Spielsperren eingeführt. Wie viele nutzen es?
Aktiviert haben es zu 99 Prozent Betroffene selbst, der Rest war Spielhallenpersonal. 16 300 Spieler waren im Juli 2018 darin erfasst. Wollen sie Zutritt zu einer Halle erhalten, erscheint bei einer Online-Abfrage ihr Status als gesperrt.

Wie funktioniert die Sperrung?
Eine Selbst- oder Fremdsperre muss schriftlich beantragt werden. Die Fremdsperre erfolgt durch einen Spielhallenbetreiber oder einen Angehörigen.

Wird das überprüft?
Die meisten Spielhallen überprüfen zwar ihre Kunden, lassen diese aber zocken, auch wenn sie gesperrt sind. Dies belegt eine vor einem halben Jahr veröffentlichte Studie, die das Land Hessen finanzierte.

Wie reagierte das Spielhallen-personal auf Suchtverhalten?
Nur in Ausnahmen reagierten die Mitarbeiter angemessen auf Kunden, die eindeutiges Glücksspielverhalten zeigten. Dies hatten Überprüfungen mit Testpersonen vor Ort ergeben. In vier von fünf Fällen wurden sie zwar beim Einlass kontrolliert. Doch in knapp einem Drittel der Spielhallen konnten sie trotz Spielersperre zocken. Lediglich in sieben Prozent der Fälle wurde das Personal zudem tätig, wenn der Tester eindeutiges Suchtverhalten simulierte.

Was folgerten die Forscher als Konsequenz?
Sie plädieren unter anderem für die bundesweite Einführung des Sperrsystems und eine personengebundene Spielerkarte, die ins Gerät eingeführt werden muss. Der damalige hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) forderte lediglich, das Spielhallenpersonal besser zu schulen.

Wem hilft das Schutzsystem?
Vor allem jenen Menschen, die für ein erhöhtes Risiko bekannt sind, ergab die Studie. Die gesperrten Spieler sind demnach zu 88 Prozent männlich, 47 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Eine Befragung unter ihnen ergab, dass sie diese Zugangsbeschränkung als positiv und vorteilhaft empfinden. Sie zocken weniger und sagen, ihre Lebensqualität habe sich verbessert.

Wo finden Spielsüchtige oder Angehörige Hilfe?
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert im Internet unter www.spielen-mit-verantwortung.de unter anderem über die Entstehung von Glücksspielsucht. Auf dem Internetportal www.check-dein-spiel.de kann man einen Selbstversuch machen. Die bundesweite Telefonberatung zur Glücksspielsucht ist erreichbar unter 0800 326 47 62. Über Angebote vor Ort informiert die Hessische Landesstelle für Suchtfragen, Telefon 069 / 713 767 77 Internet: www.hls-online.org

Zusammengestellt von Jutta Rippegather

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