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Sexismus und Rassismus bei der Stadtpolizei Bad Homburg

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Von: Oliver Teutsch

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Das Arbeitsgericht Frankfurt muss sich mit Auswüchsen bei der Stadtpolizei Bad Homburg befassen.

In Teilen der Bad Homburger Stadtpolizei muss ein rauer Umgangston herrschen. Delia B. (Name von der Redaktion geändert) hat sich das in ihrer Dienstgruppe auf Streifenfahrten nach ihrem Arbeitsbeginn im März 2021 eine Zeit lang angehört. Ihr zufolge waren während der Fahrten durch Bad Homburg alle Formen verbaler Entgleisungen zu hören. Antisemitische („Juden, dass es euch noch geben muss), rassistische („den Schwarzkopf kontrollieren wir jetzt“), islamophobe („Schokonikoläuse könnt ihr fressen, aber feiern tut ihr’s nicht“) oder auch sexistische, was die Kollegin mit türkischen Wurzeln am eigenen Leib erfahren habe. Genauso wie Mobbing. B. wurde von den Kollegen zu angeblichen Treffpunkten bestellt,und als sie dort alleine stand und auf der Dienststelle anrief, hörte sie im Hintergrund Gelächter.

Die fast täglichen Entgleisungen und das Mobbing bei der Arbeit haben B. im wahrsten Sinne des Wortes krank gemacht. Obwohl sie lange dagegen ankämpfte. „Ich musste immer die starke Löwin sein. Ich bin auf die Toilette, habe geheult oder mich übergeben, bin raus und war wieder die starke Löwin“, sagt die 29-Jährige.

Von der Stadt Bad Homburg fühlt sie sich alleingelassen. Denn intern machte sie mehrfach auf die Missstände aufmerksam. Doch ihre Vorsprachen bei ihrem direkten Vorgesetzten, der Dezernatsleiterin, der Gleichstellungsbeauftragten, der Frauenbeauftragten, dem Personalrat und einer für Mobbingfragen zuständigen Mitarbeiterin blieben letztlich fruchtlos. Von männlichen Kollegen in ihrer Dienstgruppe bekam sie indes das zweifelhafte Kompliment, noch keine habe so lange durchgehalten wie sie. Da dämmerte Delia, dass womöglich „viele vor mir, viele nach mir“ von einer Hetzkampagne betroffen seien, und beschloss zu handeln: „Mein Ziel ist, dass die Öffentlichkeit erfährt, was da passiert.“

Die 29-Jährige wandte sich an Rechtsanwalt Dirk Sommer. Der Experte für Arbeitsrecht hört und sieht sich die junge Frau an und hält sie für arbeitsunfähig: „Ich habe sie erst mal zum Arzt geschickt.“ Dann arbeitet sich Sommer in die Materie ein, sichtet unter anderem die handschriftlichen Notizen, die seine Mandantin von Sommer 2021 bis Mai 2022 zu unterschiedlichen Vorfällen gemacht hat und kommt zu dem Schluss: „Die Stimmung, die in der Dienstgruppe herrscht, kann man durchaus als nationalistisch bezeichnen“. Bei seinen Schriftwechseln mit der Stadt Bad Homburg gewinnt er einen ähnlichen Eindruck wie seine Mandantin: „Die Stadt zeigt sich wenig bereit, etwas zu tun.“

Zwar habe die Stadt in ihren Schreiben letztlich auch Gespräche mit der Mandantin angeboten. Dies lehnte Sommer aber mit dem Hinweis ab, dass die 29-Jährige, die von einer Fachärztin die Arbeitsunfähigkeit attestiert bekam, zunächst wieder arbeitsfähig sein müsse, bevor sie sich Gesprächen mit dem Arbeitgeber aussetze. Darüber hinaus habe die Stadt vor allem die hohen Fehlzeiten ihrer Angestellten moniert, ohne zu klären, ob die Stadt selbst vielleicht ein Mitverschulden an diesen Fehlzeiten habe, moniert der Fachanwalt.

Gegenüber der FR wollte sich die Stadt Bad Homburg mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Jenes Verfahren gipfelt am heutigen Freitag in einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt. Pro forma geht es dort um ein Schmerzensgeld für Delia B. Doch die 29-Jährige betont: „Ich brauche kein Schmerzensgeld. Ich will, dass die Öffentlichkeit erfährt, was da geschieht“.

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