+
Armut ist weiblich - das gilt ganz besonders fürs Alter.

Zahlen

Seniorinnen in Hessen sind stärker von Armut betroffen

  • schließen

In Hessen gibt es immer mehr ältere Menschen – die SPD hat sich nach ihrer Lage erkundigt. Sozialminister Klose berichtet, wie sie wohnen, wie viele noch arbeiten und in welchem Umfang sie auf Grundsicherung angewiesen sind.

In Hessen leben immer mehr ältere Menschen, und der Trend hält an. Derzeit sind fast 1,3 Millionen Männer und Frauen im Rentenalter, ein Fünftel der Bevölkerung. Bis 2030 soll ihre Zahl auf mehr als 1,6 Millionen anwachsen.

Doch nicht alle über 65-Jährigen können den Ruhestand genießen. Knapp acht Prozent von ihnen sind weiterhin erwerbstätig, rund fünf Prozent der Frauen und gut zehn Prozent der Männer. Das geht aus Zahlen hervor, die Sozialminister Kai Klose (Grüne) jetzt auf eine Große Anfrage von SPD-Abgeordneten vorgelegt hat.

Nach Auffassung der SPD-Landtagsabgeordneten Ulrike Alex wird viel zu häufig argumentiert, Seniorinnen und Senioren arbeiteten im Alter vor allem, um unter Menschen zu kommen. „Ich glaube, dass die soziale Notlage viele zwingt zu arbeiten.“ Sie kenne Fälle, in denen alte Menschen Flaschen sammelten, Zeitungen austrügen oder an der Kasse des Schwimmbads Geld verdienten, um über die Runden zu kommen, berichtet die Sozialdemokratin.

Ähnlich sieht das der Sozialverband VdK. Er weist darauf hin, dass Frauen im Alter häufiger von Armut bedroht seien als Männer, in Hessen wie in ganz Deutschland. Während SPD-Frau Alex die bedingungslose Grundrente fordert, setzt der VdK auf die Lebensleistungsrente. Wenn Frauen Kinder erzogen und Angehörige gepflegt hätten, müsse dies bei der gesetzlichen Altersversorgung angemessen berücksichtigt werden, sagt der hessische VdK-Vorsitzende Paul Weimann.

Nach Kloses Zahlen sind besonders Frauen von Armut betroffen. 121.000 Frauen verfügen über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens, bei den Männern sind es 74.000.

Auch die Zahl der Empfänger von Grundsicherung bestätigt diese Tendenz. Mehr als 28.000 Frauen über 65 Jahren und gut 20.000 Männer sind auf diese Sozialleistung angewiesen.

Seniorinnen leben zudem sehr viel häufiger allein als Senioren. In Mehrpersonenhaushalten wohnen nur 56 Prozent der älteren Frauen, aber 81 Prozent der Männer im gleichen Alter.

Zugleich engagieren sich gerade viele ältere Menschen ehrenamtlich. „Erfahrungsgemäß sind circa drei Viertel der Ehrenamtlichen älter als 60 Jahre“, schreibt Minister Klose in seiner Antwort.

„Es gibt Rentner, denen geht es relativ gut, die bringen sich auch ehrenamtlich ein“, sagt die SPD-Abgeordnete Ulrike Alex. Das gelinge meistens aber nur Männern und Frauen, die schon im Berufsleben kommuniziert und etwas zu sagen gehabt hätten.

Um sich einsetzen zu können, müssen die Menschen aber auch mobil sein – und in manchen Orten fahren weder Busse noch Bahnen. Dort, wo der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) nicht hinreicht, betreiben Kommunen oder Initiativen zuweilen Bürgerbusse, die Fahrten anbieten. In 73 hessischen Kommunen gibt es nach Kloses Worten derzeit solche Angebote, 20 davon mit Hilfe einer Landesförderung. „Bürgerbusse in Hessen sollen den ÖPNV nicht ersetzen, sondern ergänzen“, stellt Klose fest.

Die SPD sieht die Angebote zwiespältig. Bürgerbusse seien „besser als nichts“, kommentiert Ulrike Alex. Aber eigentlich brauche es in allen Orten einen Bus- oder Bahnanschluss mit regelmäßigem Betrieb. „Viele in der älteren Generation können nicht mal eben mit dem Auto fünf Kilometer weit fahren, um etwas einzukaufen“, betont sie.

Auch der VdK setzt sich für eine ÖPNV-Anbindung aller Wohngebiete ein, und zwar mit barrierefreiem Zugang. „Darauf sind gerade ältere Bürgerinnen und Bürger angewiesen, um beispielsweise Arztbesuche und Einkäufe machen und soziale Kontakte pflegen zu können“, sagt Paul Weimann.

Als problematisch sieht der VdK ebenso wie die Sozialdemokraten medizinische Versorgungslücken in Hessen an, die vor allem auf dem Land entstehen können. Minister Klose hatte sich auf Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung gestützt. Danach gebe es zwar aktuell nirgends akuten Ärztemangel. Aber es drohe eine Unterversorgung rund um Allendorf (Eder), Biedenkopf, Idstein, Dieburg/Groß-Umstadt, Borken und Erbach.

Schon heute gibt es nach Auskunft des Ministers keine flächendeckende Versorgung mit Apotheken. In 27 Gemeinden fehle es an einem solchen Angebot.

Wichtig sei es, dass die Politik die Interessen der älteren Generation überhaupt berücksichtige, betont Ulrike Alex. Ihr ist es daher ein Anliegen, dass sich möglichst viele Seniorenbeiräte bilden und diese demokratisch gewählt werden. Derzeit bestehen solche Gremien nach Kloses Angaben in 151 der 423 hessischen Gemeinden sowie in zehn Landkreisen.

Die SPD findet das zu wenig. Alle Kommunen ab einer bestimmten Einwohnerzahl sollten Seniorenbeiräte einführen. „Wir wollen, dass die ältere Generation gesehen wird“, fordert die Sozialpolitikerin Alex ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare