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Der Trampelpfad soll im Winterhalbjahr ausgebaut werden. Dann führt ein Rundweg durch die Baierhansenwiesen.

Dreieich

Seniorenparcours in den Baierhansenwiesen

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Bewegungsstrecke für Senioren, Spielplatz, Rundweg, Kräutergarten - die verwilderten Wiesen in Dreieich werden immer mehr zum Naherholungsgebiet.

Trostlos. So hat es noch vor drei Jahren auf den Baierhansenwiesen in Dreieich ausgesehen. Verwilderte und vermüllte Grundstücke mit teils verfallenen Hütten prägten zwischen den Stadtteilen Sprendlingen und Buchschlag das Bild. Dann nahm die Projektgruppe Baierhansenwiesen das Heft in die Hand, renaturierte und reinigte das 1961 ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet nördlich des Hengstbaches. 100 Bäume wurden gepflanzt, 3000 Quadratmeter Naturwiese gesät, ein Kräuter- und ein Familiengarten angelegt. Nun ist das Areal ein attraktives Naherholungsgebiet.

18 Institutionen – Vereine, Naturschutzverbände und Schulen – beteiligen sich mittlerweile an der Projektgruppe, die das Gelände „aufhübscht“. „Seit zweieinhalb Jahren sind wir in den Baierhansenwiesen unterwegs“, sagt Klaus Rehwald, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Umwelt und Naturschutz. Seitdem wurden bereits 50 Hektar des 110 Hektar großen Landschaftsschutzgebietes gereinigt, rund 100 Grundstücke im südlichen Bereich vom Müll befreit. Die Eigentümer mussten sich damit einverstanden erklären, dass Freiwillige ihr Areal aufräumen. Die Grundstücke werden einmal pro Jahr gemäht; dafür stellt der Kreis Geld zur Verfügung.

Im kommenden Winterhalbjahr sollen nun 20 weitere Grundstücke im Südbereich entrümpelt werden. Außerdem wollen die Mitglieder in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, die für den Außenbereich zuständig ist, zwei neue Streuobstwiesen anlegen. Schon im Vorjahr hatte der Bienenzuchtverein eine 400 Quadratmeter große Wildblumenwiese gesät.

Die Lücke im Rundweg durch die südlichen Baierhansenwiesen soll nun geschlossen werden. Zwischen Licbknechtstraße/Schleusenstraße und Bellungsweg fehlen derzeit noch 120 Meter. Ein Trampelpfad macht zwar die Umrundung möglich, doch der Weg wird nun ausgebaut und ist damit für Radfahrer, Rollstuhlfahrer und Spaziergänger gleichermaßen nutzbar. „Mit dem Lückenschluss gibt es dann gar keinen Grund mehr, von den Wegen abzuweichen“, befindet Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos). Schon heute gebe es sehr viel weniger Spaziergänger, die durch das Grün laufen, führt Rehwald aus. „Mehr als 90 Prozent der Hundebesitzer bleiben auf den Wegen.“

Das größte Projekt in den kommenden Monaten ist ein „Platz der Generationen“ im südöstlichen Bereich des Rundweges. In Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Schelhorn, dem Dienstleistungsbetrieb und der Stadt Dreieich wird der vorhandene Spielplatz am Hengstbach in Teilen erneuert, in direkter Nachbarschaft entsteht gleichzeitig ein Bewegungsparcours für Senioren. Die Idee wurde von den Besuchern der Baierhansenwiesen geboren, sagt Rehwald. Geplant worden sei sie nach dem Leitfaden des Hessischen Sozialministeriums. „Mittlerweile gibt es hessenweit rund 100 solcher Parcours“, sagt Rehwald. „Wir wollen dort nicht nur zwei Geräte aufstellen“, erklärt er. Deshalb hoffe man auf Spenden aus der Bevölkerung. Stiftungen und Firmen haben bereits finanzielle Unterstützung zugesagt, und auch von Land und Kreis soll Geld fließen. Nach Fertigstellung ist die Zusammenarbeit mit örtlichen Sportvereinen angedacht. „Die könnten dort zwei- bis dreimal in der Woche Kurse geben.“

Der Ehrenamtliche hofft, dass der Bewegungsparcours genauso gut angenommen wird wie der 1000 Quadratmeter große Lehr- und Kräutergarten, der im Vorjahr in den Baierhansenwiesen angelegt wurde. Dort sind rund 80 Küchen-, Heil- und Wildkräuter in 36 Beeten gepflanzt. In zehn weiteren, etwas größeren Beeten gedeihen unter anderem Tomaten, Paprika, Salat und Bohnen. „Wir werden in diesem Jahr wohl bei 8000 Besuchern des Kräutergartens landen“, schätzt Rehwald, „inklusive der 1300 Personen, die an Führungen und Workshops teilnahmen.“ Und schon gibt es mögliche Nachahmer. Die Schillerschule hat angefragt, ob das Gartenteam nicht bei der Planung eines Kräuter- und Naschgartens behilflich sein kann.

Der Familiengarten, gleich neben dem Kräutergarten gelegen, ist nicht weniger beliebt. Im Mai eröffnet, waren die 15 Parzellen mit einer Größe von je 36 Quadratmetern gleich weg. Weil die Nachfrage bei den Dreieichern so groß ist, plant man im Frühjahr eventuell eine Erweiterung.

Storchenhorst wieder verwaist

Nicht ganz so erfolgreich war die Projektgruppe Baierhansenwiesen mit dem Storchenhorst, der im Frühjahr aufgestellt wurde. Der Storch sei zwar zwei oder drei Tage da gewesen, aber dann weitergezogen, sagt der Arbeitsgruppen-Vorsitzende.

Andere Tierarten haben das Landschaftsschutzgebiet aber schon lange für sich entdeckt. Aktuell fertigt Andreas Malten, ein Diplom-Biologe aus Dreieich, ein Gutachten über die tierischen Bewohner der Baierhansenwiesen an. „Wir werden auf fast 70 Vogelarten kommen“, blickte Rehwald schon mal voraus – darunter auch fünf Vogelarten wie etwa Neuntöter oder Mittelspecht, die auf der Roten Liste stehen, also vom Aussterben bedroht sind. Die dort lebenden Zauneidechsen und Ringelnattern gehören ebenfalls zu den gefährdeten Arten. In dem Gebiet gebe es auch das größte Vorkommen des Hirschkäfers im Kreis Offenbach, so Rehwald.

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