Hanau

Sektenprozess Hanau: Durchsuchungen nach Mordurteil

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Polizei sucht bei Sektenführerin Sylvia D. und bei der Mutter des getöteten Jungen nach Beweisen für Beihilfe.

Um Beweismittel sicherzustellen, hat die Kriminalpolizei Hanau nach FR-Informationen Durchsuchungen bei Sektenführerin Sylvia D. und ihrer Anhängerin Claudia H. durchgeführt. Sie fanden in Zusammenhang mit dem Vorwurf der Beihilfe zum Mord statt, der gegen H. erhoben wird und den sie offenbar zurückweist. Weil die 59-Jährige dringend tatverdächtig ist, wurde sie am vergangenen Freitag während einer Geschäftsreise in Leipzig festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Kurz zuvor hatte das Landgericht die 73-Jährige D. wegen Mordes am vierjährigen Jan – Claudia H.s Sohn – zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und Haftbefehl erlassen. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die gelernte Krankenschwester den Jungen am 17. August 1988 aus niedrigen Beweggründen in einem Sack ersticken ließ. Sylvia D.s Anwälte kündigten an, Revision einzulegen.

Der Vorsitzende Richter Peter Graßmück war in seiner mündlichen Urteilsbegründung auch auf das Verhalten von Jans Eltern eingegangen. Sie hätten ihr Kind Sylvia D. auch am Tag seines Todes überlassen, obwohl erkennbar gewesen sei, dass es vernachlässigt und misshandelt werde. Kurz bevor Jan starb, fuhr seine Mutter mit D.s mittlerweile verstorbenem Mann zum Markt. Bis zu ihrer Rückkehr war die Anführerin die einzige Erwachsene im Haus.

Claudia H.s Tagebucheintrag vom 18. August 1988 bezeichnete Graßmück als niederträchtige Abrechnung eines Erwachsenen mit einem wehrlosen Kind. Darin heißt es unter anderem sinngemäß, er sei provokativ gemein gewesen. Die ganzen Jahre hätten sie mit Gottes Hilfe „versucht, seinen Wahn zu bremsen“, damit Jan „eine Chance bekommt“. Aber er sei richtig sadistisch gewesen.

Im Prozess zeigte H., die Jan teilweise auch in den Sack gesteckt haben soll, weder Mitgefühl für ihren Sohn noch Interesse an Aufklärung. Dafür verteidigte sie immer wieder Sylvia D., die wie eine Schwester für sie sei.

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