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Eine Seilbahn.

Verkehr

Seilbahn im Taunus als Test

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Der RMV plädiert für einen Modellversuch über den Feldberg. Studierende entwickeln derweil weitere Ideen.

Mit einem Seilbahntag treibt der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main die Diskussion um das Gondeln in der Luft voran. Zu seiner Fachveranstaltung am 8. Mai hat er auch den Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) Knut Ringat eingeladen. Der zeigt sich aufgeschlossen für ein Pilotprojekt im Hochtaunuskreis. Noch in diesem Jahr werde das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie zum Verhältnis von Kosten und Nutzen erwartet, sagte Ringat. Er betonte zugleich, dass dieses Verkehrsmittel sich nicht dazu eigne, die vorhandenen Kapazitätsprobleme zu lösen. „Seilbahnen allein können nicht die Mobilitätsbedürfnisse der Zukunft stillen, aber punktuell können sie auch in Ballungsräumen sehr sinnvoll sein.“ Sie könnten Tausende Fahrgäste pro Stunde transportieren, seien in nur wenigen Jahren zu bauen und zudem ganz leise unterwegs.

Die Idee einer Seilschwebebahn im Taunus wurde bereits Ende der 20er Jahre diskutiert – als Verbindung zum Feldberggipfel. In den 70er kam das Thema nochmals auf. Die jetzt vorgeschlagene Linie soll Fahrgäste von Schmitten über den Feldberg zur Hohemark in Oberursel transportieren. „Das wäre für Touristen und Pendler interessant“, sagte Ringat. So könnten erste Erfahrungen mit dem Verkehrsmittel gesammelt werden.

Nur als Ergänzung

Der Taunus soll nur der Anfang sein. Im kommenden Jahr könne es Machbarkeitsstudien zu Seilbahnen an weiteren Stellen geben, in Frankfurt, Offenbach oder Limburg, sagte Ringat. Die Feldberg-Strecke hatte schon Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU) in die Diskussion eingebracht. Auch der Regionalverband hat verschiedene mögliche Seilbahnverbindungen ins Auge gefasst. Der Bürgermeister von Niederdorfelden, Klaus Büttner (SPD), hatte jüngst ebenfalls die Hand gehoben. Pendler zwischen Schöneck, Niederdorfelden (beide Main-Kinzig-Kreis) und Bad Vilbel (Wetteraukreis) könnten durch die Luft befördert werden. An Infrastruktur benötige die Linie „zwei, drei Parkhäuser“. Endhalt in Bad Vilbel wäre der Festplatz, rund 500 Meter vom Bahnhof entfernt. Offene Türen rannte Büttner damit bei dem Bad Vilbeler Landtagsabgeordneten Jörg-Uwe Hahn (FDP) ein. Nach seiner Vision ist allerdings am Nordbahnhof Endstation, um mit wenigen Schritten in die S-Bahn zu wechseln.

Derweil untersucht der Fachbereich Bauingenieurwesen der Hochschule Darmstadt mögliche Anwendungsgebiete im Rhein-Main-Gebiet. Welche Ideen die Studierenden entwickelt haben, stellt Dekan Jürgen Follmann beim Seilbahntag am 8. Mai vor.

Auch die Abgeordneten des hessischen Landtags haben in einer Debatte vor einigen Wochen ihre Sympathien für die Seilbahn als ergänzendes Verkehrsmittel bekundet. Ausnahme: die AfD. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) würde sie mit dem hessischen Mobilitätsgesetz fördern, sofern sie nicht touristischen Zwecken dient. Trotzdem müssten Projekte wie der vierspurige Ausbau der S6 und die nordmainische S-Bahn dringend weiter verfolgt werden. Die vom Regionalverband vorgeschlagene Seilbahnstation an der Raststätte Taunusblick an der hochbelasteten Autobahn 5 lehnt Al-Wazir ab. Wer ohnehin im Auto sitze, fahre weiter, statt mit der Seilbahn zur U-Bahn-Station zu zockeln, um dort ins nächste Verkehrsmittel zu steigen. (mit dpa)

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