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Beim Seilbahntag schweben die Gondeln bereits über der Region.

Verkehr

Per Seilbahn ins Waldstadion

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Studenten entwickeln Ideen für ein Verkehrsmittel, das Schiene und Straße ergänzen soll. In fünf Jahren könnte die erste Trasse fertig sein.

Wir schreiben das Europameisterschaftsjahr 2024: Die Fußballfans reisen mit der Seilbahn zum Waldstadion. Und die Pendler aus dem Hintertaunus gondeln zur Hohemark und fahren von dort mit der U-Bahn nach Frankfurt. Eine verspinnerte Utopie, sagen die einen. Eine Idee, mit der sich immer mehr Entscheidungsträger anfreunden, sagt Regionalverbandsdirektor Thomas Horn (CDU). Horn verfolgt das Projekt Fußballstadion, der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die Seilbahn von Schmitten über den Feldberg nach Usingen zur Hohemark. Für das Jahresende erwartet RMV-Geschäftsführer Knut Ringat das Ergebnis der Machbarkeitsstudie. Neben ihm sitzt Jürgen Follmann, Dekan am Fachbereich Bauingenieurwesen der Hochschule Darmstadt. Seine Studenten haben Seilbahn-Korridore ausgearbeitet und geprüft. Um Konflikte zu vermeiden, führen sie nicht über private Grundstücke. Sie verbinden U- oder S-Bahn-Halts mit großen Parkplätzen, die nur zu Veranstaltungen voll sind. Die verlaufen linear, weil Kurven schwer realisierbar sind.

Horn, Ringat und Follmann präsentieren sich als Trio, das die Menschen in Rhein-Main für die Gondel als ergänzendes Verkehrsmittel begeistern will. Der erste Seilbahntag am Dienstag soll dafür der Auftakt sei, sagt Horn. Der Regionalverband leiste „Pionierarbeit“. Die sei notwendig, weil dem Ballungsraum der Dauerstau drohe. „Es ist Zeit, neue Wege zu gehen.“ Neue Schienenprojekte zu realisieren, dauere 25 bis 30 Jahre. Eine Seilbahntrasse könne innerhalb von fünf Jahren fertig sein. Als „Brückentechnologie“ könne sie dienen, bis die Regionaltangente fertig ist, die nordmainische S-Bahn oder der vierspurige Ausbau nach Friedberg. Sie könne aber auch darüber hinaus das Angebot des RMV ergänzen. 

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Der setzt immer mehr Schnellbusse ein, lässt S-Bahnen durchgehend im 15-Minuten-Takt verkehren und kann doch den Bedarf kaum befriedigen, sagt Geschäftsführer Ringat. Die Zahl der Fahrgäste sei im vergangenen Jahr um 35 Millionen gestiegen. Zweieinhalb Millionen Menschen nutzten den RMV an einem durchschnittlichen Werktag. „Seilbahnen sind kein Allheilmittel für die Herausforderungen des öffentlichen Nahverkehrs, aber sie können punktuell eine sinnvolle Ergänzung sein“, betont Ringat. Sie könnten Lücken schließen – etwa wo Flüsse oder Steigungen den Bau von Straße oder Schiene erschwerten.

Fünftausend Menschen pro Stunde können die Gondeln transportieren, die zwischen 35 und 40 Personen fassen, sagt Follmann, der Studenten beauftragt hatte, verschiedene Varianten zu prüfen. Ihre Favoriten stellten angehende Bauingenieure am Dienstag vor. Die Idee einer Trasse von der Raststätte Taunusblick zum U-Bahn-Halt Heerstraße verwarfen sie. Follmann: „Die Verlängerung der U-Bahn wäre da besser.“ Potenzial sehen sie bei insgesamt vier Strecken, darunter auch einer zum neuen dritten Flughafen-Terminal. Die Notwendigkeit eines Anschlusses an das S-Bahn-Netz bleibe davon unberührt, stellen Follmann und Ringat klar.

Wie es aussieht, findet das Projekt Waldstadion aktuell den größten Zuspruch. Die Europameisterschaft in fünf Jahren biete dafür den richtigen Anlass, sagt Horn. Dass da etwas im Busch ist, hat sich über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets hinaus herumgesprochen. Das Organisationskomitee, sagt Follmann, hat sich schon bei ihm gemeldet.

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