+
Mit der Gondel am Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm vorbei: In Koblenz ist seit Jahren schon eine Seilbahn im Betrieb.  

Seilbahn für Frankfurt

Per Gondel zum Flughafen

  • schließen

Schnell, komfortabel, sicher – und dazu noch einfach zu errichten und keinerlei Abgase - ist eine Seilbahn das optimale Verkehrsmittel für das chronisch verstopfte Frankfurt?

Wer im Rhein-Main-Gebiet lebt, kennt das: Dauerstau auf den Straßen und überfüllte Bahnen nerven täglich Tausende Pendler. Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht: Neue große Verkehrstrassen, S-Bahn-Linien oder gar U-Bahn-Röhren verschlingen hohe Summen und erfordern langen Planungs- und Genehmigungsvorlauf. Eine Alternative könnten eventuell Seilbahnen im Rhein-Main-Gebiet sein. „Es ist Zeit, neue Wege zu gehen“, sagt der Direktor des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main, Thomas Horn.

Per Gondel nach Frankfurt – funktioniert das? Ein Pilotprojekt soll prüfen, was eine Seilbahn leisten könnte. Die acht bis zehn Kilometer lange Strecke soll von Schmitten im Hochtaunuskreis über den Berg zur U-Bahnstation Hohemark in Oberursel führen. Dabei sitzen die Passagiere nicht im Freien wie bei einem Sessellift im Skigebiet, sondern in Kabinen, die den gleichen Komfort wie Straßenbahnen bieten. In jeder dieser Kabinen finden 35 bis 40 Personen Platz, sie sind barrierefrei und es gibt darüber hinaus auch Raum für Fahrräder und Kinderwagen. Bis zu 4000 Passagiere pro Stunde und Richtung können die Gondeln auf diese Weise transportieren.

Die Vorteile der Seilbahnen liegen auf der Hand: Hoch über den Straßen schweben sie über Kreuzungen hinweg, kein Stau hält sie auf. Der Antrieb ist elektrisch, es entstehen also keine Abgase und Emissionen. Wetterverhältnisse wie Eis und Schnee beeinflussen den Betrieb kaum. Die Seilbahnen „sind leise, sie sind sicher, sie sind komfortabel“, sagt Horn. 

Lesen Sie auch: Mit der Seilbahn ins Waldstadion? 

In anderen Städten hat sich der Betrieb von Seilbahnen im Nahverkehr bereits bewährt. Ein Beispiel ist Koblenz. Dort entstand zur Bundesgartenschau 2011 in 14 Monaten Bauzeit eine Bahn, die Fahrgäste über den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein bringt. Sie laufe zuschussfrei, sagte der Geschäftsführer der Betreiberfirma, Eugen Nigsch. In den Gondeln sei Platz für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle. „Da hängt ein Kleinbus am Seil.“ Selbst ein Krankenbett habe die Bahn schon transportiert.

Technisch lösbar seien inzwischen fast alle Anforderungen, auch bei der Streckenführung, sagen die Hersteller. An Ideen für mögliche Verbindungen im Rhein-Main-Gebiet mangelt es nicht. Studenten der Hochschule Darmstadt untersuchten weitere mögliche Standorte. Herausgekommen ist unter anderem eine Verbindung zwischen dem neuen Terminal 3 des Frankfurter Flughafens über die Commerzbank Arena zum S-Bahnhof Louisa. Auch die geplante Multifunktionsarena am Kaiserlei in Offenbach ließe sich sehr gut per Gondel mit der Eissporthalle im Frankfurter Osten verbinden.

RMV-Chef Ringat sagte, man warte nun das Ergebnis der Machbarkeitsstudie für die Pilotstrecke im Taunus ab. Falls sie gebaut wird, werde man die Erfahrungen mit deren Betrieb prüfen. Bis dahin sollen Vorhaben im Schienenbau, wie etwa die Regionaltangente West, vorangetrieben und so bald wie möglich fertiggestellt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare