1. Startseite
  2. Rhein-Main

Segelflieger erforschen NS-Zeit

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Regine Seipel

Kommentare

Im Segelflugmuseum gibt es Quellen aus der NS-Zeit.
Im Segelflugmuseum gibt es Quellen aus der NS-Zeit. © dpa

Bernd Woide spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über den Segelflug als Unesco-Kulturerbe und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit durch die Segelflieger.

Der Segelflug auf der Wasserkuppe hat es vorerst nicht geschafft, Unesco-Kulturerbe zu werden. Grund der Absage: Seine Rolle im Nationalsozialismus soll zunächst aufgearbeitet werden. Bernd Woide, Präsident der Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe, erklärt, wie das geschehen soll.

Herr Woide, warum ist die NS-Zeit bisher ein ungeschriebenes Kapitel in der Geschichte des Segelflugs?
Man muss sehen, dass der Zweck unserer Gesellschaft, der auch in der Satzung festgelegt ist, die Förderung des Segelflugs ist. Wir wollen die Technik und seine Tradition ganz praktisch am Leben erhalten, indem wir junge Menschen ans Fliegen heranführen und auf der Wasserkuppe entsprechende Möglichkeiten schaffen. Wir sind keine Historiker, sondern beschäftigen uns mit der sportlichen Seite.

Was ist Ihnen bisher aus dieser Zeit bekannt?
Uns ist allen klar, dass im Nationalsozialismus der Segelflug, die Ausbildung von Piloten, vereinnahmt und instrumentalisiert worden sind. Jetzt müssen wir herausfinden, was genau damals auf der Wasserkuppe passiert ist. Um über diesen regionalen Aspekt hinaus die Geschichte des Segelflugs im Nationalsozialismus in Gänze aufzuarbeiten, brauchen wir jedoch die Unterstützung des Landes.

Gibt es viele Unterlagen aus dieser Zeit?
Das wissen wir noch nicht. Im Segelflugmuseum dürfte es solche Dokumente geben. Da habe ich aber noch keinen Überblick. Wir werden das auch nicht allein schaffen, sondern einen Historiker beauftragen, der Quellen recherchiert, sichtet und systematisch bearbeitet. Wahrscheinlich müssen dazu auch andere Archive herangezogen werden.

Was haben Sie jetzt vor?
Wir wollen nicht Aktendeckel schließen, sondern nehmen sehr ernst, was uns die Unesco aufgetragen hat. Dann gibt es einen neuen Anlauf. Die Kommission hat uns ausdrücklich zu einer neuen Bewerbung aufgefordert.

Warum soll der Segelflug unbedingt immaterielles Kulturerbe werden?
Für die Region und auch hessenweit ist es wichtig, klar zu machen, dass das Fliegen als Errungenschaft der Menschheit mit auf der Wasserkuppe angefangen hat. Es waren Darmstädter Studenten, die dort oben ihre Experimente gemacht haben. Vereinfacht gesagt: Wenn es die Wasserkuppe nicht gegeben hätte, könnte man sich heute nicht am Frankfurter Flughafen in ein Flugzeug setzen.

Erhoffen Sie sich Auftrieb für den Segelsport?
Naja, es wäre zumindest eine Anerkennung, auch des Engagements, das heute geleistet wird. Zum immateriellen Kulturerbe gehört es, dass diese Technik des Flugsports auch in die Gegenwart und Zukunft getragen wird.

Zählt der Titel als touristisches Marketing-Instrument?
Das wird sich positiv auswirken, obwohl die Leute kaum wegen des Kulturerbe-Titels kommen werden. Sie wollen die Faszination des Fliegens erleben. Aber die Verbindung von Wasserkuppe und Segelflug können wir damit besser touristisch vermarkten. Für unseren Landkreis hat dieser höchste Berg der Rhön ein großes Potenzial als Zentrum des Luftsports.

Wann wollen Sie die nächste Bewerbung bei der Unesco einreichen?
Hoffentlich im nächsten Jahr, je nachdem wie lange die Aufarbeitung dauert.

Interview: Regine Seipel

Auch interessant

Kommentare