Flüchtlinge in einem überfüllten Boot.
+
Flüchtlinge in einem überfüllten Boot.

Hessen

Seenotretter aus Hanau ausgezeichnet

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Das Team von „Watch the Med – Alarmphone“ erhält den Pro-Asyl-Menschenrechtspreis. Mitgründer der internationalen Organisation kommen aus Hessen.

Sie retten Menschenleben auf hoher See. Dafür werden zwei Hanauer Aktivisten und ihre tunesische Mitstreiterin mit dem Menschenrechtspreis der Stiftung Pro Asyl geehrt. Er ist mit 5000 Euro dotiert. Wann und wo der Preis überreicht werden kann, steht angesichts der Corona-Pandemie noch nicht fest.

Marion Bayer und Hagen Kopp aus Hanau sowie Hela Kanakane aus Tunis stehen dabei stellvertretend für rund 200 Aktivisten der Organisation „Watch the Med – Alarmphone“. Sie agieren von London, Berlin und Wien aus ebenso wie von Melilla, Tanger und Palermo. Doch ein Zentrum liegt im südhessischen Hanau, wo die Mitgründer Bayer und Kopp leben.

Marion Bayer, Flüchtlingsaktivistin aus Hanau.

Sie hatten 2014 mit ihrer Notrufhotline für Schutzsuchende begonnen, die sich in meist seeuntauglichen Booten in Richtung Europa auf den Weg begeben. Die „Watch the Med“-Aktivisten machen die Küstenwache in den zuständigen Ländern auf die Menschen in den Booten aufmerksam. „Im besten Fall kommt diese ihrer see- und menschenrechtlichen Verpflichtung nach und startet eine Rettungsaktion“, schreibt Pro Asyl. Allzu oft jedoch bleibe eine Rettung aus. „In diesen Fällen hält das Alarmphone den Kontakt zu dem Boot aufrecht und stellt eine internationale Öffentlichkeit her, um Druck auf die zuständigen Behörden aufzubauen.“

In den sechs Jahren seines Bestehens hat das „Watch the Med – Alarmphone“ Kontakt mit fast 3200 Booten gehabt. Viele Menschen konnten dadurch vor dem Ertrinken gerettet werden.

Hagen Kopp (l.) aus Hanau.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres half die Organisation allein im zentralen Mittelmeer rund 4500 Menschen, die auf 77 Booten unterwegs waren. Das geht aus dem soeben veröffentlichten Halbjahresbericht hervor. Flüchtlinge in Dutzenden weiterer Boote hätten ebenfalls versucht, den Kontakt herzustellen, doch sei es nicht möglich gewesen, ihre GPS-Position und andere entscheidende Daten herauszufinden.

Preisträger Hagen Kopp sagte der Frankfurter Rundschau am Dienstag, für die Aktivisten stelle der Menschenrechtspreis eine wichtige Anerkennung dar. Das gelte gerade in Zeiten, in denen Seenotrettung häufig kriminalisiert werde.

Hela Kanakane aus Tunis.

Mit Sorge beobachten sowohl Pro Asyl als auch Watch the Med die europäische Politik der Fluchtverhinderung. In der Ägäis gebe es wieder verstärkt Pushbacks, bei denen die griechische Seite Bootsflüchtlinge mit Drohungen und Gewalt zurück in türkische Gewässer bringe. Zugleich arbeite die Europäische Union mit der libyschen Küstenwache zusammen. Allein im ersten Halbjahr seien 1100 Menschen zurück in das nordafrikanische Land gebracht worden, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen leben müssten.

Kommentare