+
Im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos herrschen meschenunwürdige Bedingungen.

Geflüchtete

Sechs geflüchtete Jungen kommen nach Hessen - Flüchtlingsrat mit Kritik

  • schließen

Hessen nimmt Kinder aus griechischen Lagern auf. Der Flüchtlingsrat nennt ihre Zahl „deutlich zu gering“.

Seit Monaten diskutiert die Politik, wie Kinder aus den überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland in Sicherheit gebracht werden können. Vor zwei Wochen sind die ersten 47 unbegleiteten Flüchtlingskinder nach Deutschland gekommen.

Jetzt hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bekanntgegeben: Sechs von ihnen kommen nach Hessen, weil sie hier Angehörige haben. Es geht nach Auskunft des hessischen Sozialministeriums um sechs Jungen. Einer von ihnen sei 15 Jahre alt, drei 14 Jahre und zwei zehn Jahre, teilte das Ministerium auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. In welche hessischen Städte und Kreise die Kinder ziehen, will das Ministerium nicht verraten, „um die Privatsphäre der Kinder und ihrer Verwandten zu schützen“. In den Kommunen werde „die situations- und bedarfsgerechte Unterbringung, Versorgung und Betreuung“ der Kinder von den Jugendämtern geprüft.

„Zur Ruhe kommen“

Angekommen

Bis zu 500 Flüchtlingskinder  will Deutschland aus den überfüllten Lagern in Griechenland holen.

Die ersten 43 Jungen  und vier Mädchen waren vor zwei Wochen in die Bundesrepublik gekommen. Sechs von ihnen werden in Hessen untergebracht. Die anderen ziehen laut Bundesinnenministerium nach Niedersachsen, Berlin, Hamburg, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt. 

Die unbegleiteten Minderjährigen hatten nach ihrer Ankunft in Deutschland ihre 14-tägige Quarantäne in Niedersachsen verbracht. Die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD) sagte nach der Entscheidung über die Zuteilung in andere Bundesländer: „Ich hoffe sehr, dass die Kinder nach ihren schrecklichen Erlebnissen bei uns jetzt endlich zur Ruhe kommen, sich schnell einleben und so auch die Chance für ein kind- und jugendgerechtes Aufwachsen bekommen werden.“ Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) forderte die Bundesregierung und die übrigen EU-Staaten auf, „schnell weitere Kinder aus dem Elend in Griechenland zu holen“.

Die schwarz-grüne hessische Landesregierung hält sich in dieser Frage zurück. Sie wartet auf Ansagen vom Bund. „Die Bundesregierung plant weitere 300 Aufnahmen von den griechischen Inseln“, heißt es aus dem Sozialministerium in Wiesbaden. Das Bundesinnenministerium werde „die Länder rechtzeitig über die Pläne informieren“.

Dem hessischen Flüchtlingsrat oder Initiativen wie der „Seebrücke“ geht die Aufnahme nicht schnell genug. „Es ist schön, dass diese sechs Kinder nach Hessen kommen“, sagte Flüchtlingsrats-Geschäftsführer Timmo Scherenberg der Frankfurter Rundschau. Die Zahl der in Deutschland aufgenommenen Kinder sei aber „deutlich zu gering“.

Die Situation in den griechischen Lagern sei schon vor Corona „untragbar“ gewesen, sagte Scherenberg. „Wir müssen die Leute alle möglichst schnell evakuieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare