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Selbsthilfegruppen in Hessen

Schwierige Selbsthilfe in der Pandemie

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Selbsthilfegruppen dürfen sich aktuell nur online treffen. Ausnahmen gibt es für Sucht- und psychisch Kranke

Wer an einer Krankheit leidet oder mit einer Sucht kämpft, der sucht oft den Kontakt zu Menschen, die Ähnliches erleben. Doch die Mitglieder von Selbsthilfegruppen dürfen sich in Hessen mit wenigen Ausnahmen im Shutdown nicht treffen. Viele nutzen deshalb Konferenzplattformen wie Zoom für den Austausch. „Das ist jetzt in der Pandemie eine Lösung, die oft auch unerwartet gut funktioniert“, sagt Maren Kochbeck, Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt. Doch der digitale Austausch hat seine Grenzen.

„Zu unseren Zoomtreffen kommen inzwischen mehr als zu denen, die wir vor Corona in unserem Zentrum hatten“, sagt Christian Rietschel, Vorsitzender des Vereins „Evanda – Leben mit Parkinson“, der in Frankfurt seit zwölf Jahren Anlaufstelle für Parkinsonkranke und ihre Angehörigen ist. Um die 16 von der Krankheit Betroffene schalten sich dazu, wenn sich die Selbsthilfegruppe mittwochs auf einer Konferenzplattform trifft. Ein Vorteil, so Rietschel, sei, dass die Mitglieder, die aus der Stadt und der näheren Umgebung Frankfurts kämen, keine Wege auf sich nehmen müssten, sondern von ihrem heimischen Sessel aus an den Gesprächen teilnehmen könnten. Gleichwohl ersetzen die Onlinebegegnungen aus seiner Sicht nicht den direkten Austausch. Hinzu käme, dass jetzt im Shutdown viele gemeinsame Aktivitäten wie beispielsweise Nordic Walking, die der Verein auch anbiete, entfallen müssten.

Nach der hessischen Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung dürfen sich Selbsthilfegruppen zurzeit nicht in der analogen Welt treffen. „Nur Selbsthilfegruppen für Sucht- und psychische Erkrankungen können eine Ausnahmegenehmigung für Präsenztreffen beantragen“, sagt Kochbeck. Für diese Erkrankten gelten persönliche Treffen wegen der Gefahr eines Rückfalls oder sich zuspitzender persönlicher Krisen für unabdingbar.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle, die sich mit Mitteln des Landes Hessen, der Stadt Frankfurt und der Gesetzlichen Krankenkassen finanziert, hilft diesen Gruppen, wenn sie beim Gesundheitsamt eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Denn trotz der Pandemie arbeiten die Leiterin und ihre Kolleginnen und Kollegen weiter, im Homeoffice oder in der Beratungsstelle im Ostend, wenn sich dort Gruppen mit Ausnahmegenehmigungen treffen. Zurzeit sind es fünf, für eine sechste läuft noch das Genehmigungsverfahren.

Ansonsten tun die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Selbsthilfe-Kontaktstelle, was sie auch vor Corona taten, wenn auch nur am Telefon oder per E-Mail. Sie helfen Menschen, die nach einer Selbsthilfegruppe suchen, sie unterstützen diejenigen, die selbst eine solche aufbauen wollen und organisieren Onlineveranstaltungen wie beispielsweise den Virtuellen Selbsthilfetag am vergangenen Wochenende mit Vorträgen und Workshops für Menschen, die in der Selbsthilfe aktiv sind.

Die Verlagerung in die digitale Welt hat aus Sicht von Rietschel und der Kontaktstellen-Leiterin der Selbsthilfe neue Möglichkeiten eröffnet. Der Evanda-Vorsitzende kann sich vorstellen, dass sein Verein nach der Pandemie Gruppentreffen hybrid anbietet, da dann auch Mitglieder von zu Hause aus daran teilnehmen könnten. Und Kochbeck berichtet, dass Selbsthilfegruppen von Alkoholabhängigen sich weltweit vernetzt hätten. „Egal, wer welche Sprache spricht oder wann jemand Suchtdruck spürt, er findet online immer eine Gruppe, zu der er Kontakt aufnehmen kann“, sagt sie.

Doch der Umzug ins Digitale bleibt eine Notlösung, denn er grenzt Menschen aus, die keine Internetverbindung, keinen Laptop oder kein Smartphone haben. Und er kann heikel sein, wenn es um den für diese Gruppen so wichtigen Schutz der Anonymität und der Vertraulichkeit geht. „Links zu den Treffen dürften nicht weitergegeben werden, damit dort nicht Menschen hineingelangen, die dort nicht hinein gehören“, sagt Kochbeck.

Nach anfänglich großem Organisationsaufwand ist das für die Evanda-Selbsthilfegruppe inzwischen kein Problem mehr. „Bei uns haben alle eine Internetverbindung. Wir sind alle miteinander vertraut. Und nach einem Jahr Pandemie sind wir die Zoomtreffen gewöhnt“, sagt Rietschel.

Wer den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe sucht, kann sich bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle Frankfurt, Sonnemannstraße 3, montags und dienstags von 10 bis 14 Uhr, und donnerstags von 15 bis 19 Uhr unter der Rufnummer 069 /559 444 beraten lassen.

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