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Nur vier Stunden verkehrte die Mainfähre Mühlheim, dann havarierte sie.

Mühlheim/Maintal

Schwere Vorwürfe gegen den Pächter der Fähre in Mühlheim

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Ein ehemaliger Bootsführer hat kundgetan, dass den Fährmännern der Fähre Mühlheim angeblich das Patent fehlt. Der Pächter spricht von „menschlichem Versagen“.

Vor knapp zwei Jahren hatte der Kreis Offenbach als Eigentümer der Mühlheimer Fähre der Pächterfamilie Spiegel wegen Sicherheitsverstößen fristlos gekündigt, die Fähre stand danach still. Nach der Havarie am Montagvormittag, als nur vier Stunden nach der Wiederinbetriebnahme ein Steuerungsseil riss, steht nun der jetzige Betreiber Mahir Kolbüken im Kreuzfeuer der Kritik. Der ehemalige Bootsführer Bernd Schwander erhebt schwere Vorwürfe gegen ihn.

Gegenüber dem HR behauptete Schwander, Kolbükens Bootsführer hätten nicht die erforderlichen Patente zum Lenken des Schiffes. Er selbst habe dem neuen Betreiber und seiner Mannschaft mehrmals gezeigt, wie die Fähre gesteuert werden muss.

„Wir haben uns die Fährscheine nicht zeigen lassen“, sagt Sandra-Kristin Klauß, Pressesprecherin des Kreises Offenbach. Der Kreis habe allerdings einen rechtsgültigen Vertrag mit dem Betreiber, der ihn dazu verpflichte, sachkundiges Personal mit entsprechenden Patenten zu beschäftigen. „Wir warten ab, was die Ermittlungen der Wasserschutzpolizei ergeben“, sagt Klauß. Erst dann prüfe man aufgrund der Rechtslage weitere Schritte. Der Kontakt mit Kolbüken laufe jetzt über die Rechtsabteilung. Wie lange die Fähre nun stillsteht, sei noch nicht klar.

Der neue Pächter war am Dienstag nicht zu erreichen. Gegenüber der FR hatte er am Montag von „menschlichem Versagen“ gesprochen. Seinem erfahrenen Fährschiffer sei ein Fehler unterlaufen. Das Seil sei gerissen und in den Motor gekommen; der Motor sei aber noch in Ordnung. Er selbst war an Bord, als das Unglück passierte.

Morgens habe der Fährschiffer wohl noch keinen so sicheren Eindruck gemacht, sagt Petra Schneider von der Bürgerinitiative (BI) Fähre Mühlheim-Maintal. „Da ist die Fähre wohl schon geschlingert“, habe sie erzählt bekommen. Als sie selbst mit zehn bis zwölf Mitstreitern der BI kurz vor 11 Uhr zur geplanten Jungfernfahrt am Mühlheimer Ufer stand, habe sie davon aber nichts bemerkt.

Bevor die BI-Mitglieder die Fähre jedoch betreten konnten, kam es auf Maintaler Seite zur Havarie. Die Fähre sei in Richtung Frankfurt abgetrieben, erzählt Schneider. Der Fährmann habe gegengesteuert, sei aber nicht dagegen angekommen, obwohl es „keinen Wind und kaum Strömung gab“. Dann habe sich das Schiff um 180 Grad gedreht, das Steuerungsseil sei gerissen und vermutlich in die Schraube gekommen. Der Motor sei ausgefallen und das Schiff auf Maintaler Seite in Richtung Uferböschung getrieben. Ein Crewmitglied sei über Bord gesprungen und habe im knietiefen Wasser versucht, das Seil aus der Schraube zu lösen. „Dann waren auch schon die Feuerwehr und der Krankenwagen da“, so Schneider. Da man Bedenken hatte, dass die Fähre noch weiter abdriftet, wurde ein Kranboot des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes gerufen, das sie an den alten Liegeplatz am Maintaler Ufer schleppte.

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