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Keine Angst vorm Fliegen: Käthchen Paulus.

Ballonfahrerin Käthchen Paulus

Schweben und stürzen

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Sie stieg mit dem Ballon in schwindelnde Höhen und stürzte sich mit dem Fallschirm in die Tiefe. Käthchen Paulus (1868 bis 1935) bleibt in der Geschichte der Luftfahrt unvergessen. Von Friederike Tinnappel

Sie stieg mit dem Ballon in schwindelnde Höhen und stürzte sich mit dem Fallschirm in die Tiefe. Käthchen Paulus (1868 bis 1935) bleibt in der Geschichte der Luftfahrt unvergessen.

Schon bevor die wagemutige Luftfahrerin die Frankfurter mit ihren Ballonfahrten und Kunststücken begeisterte, eroberten sich die Bürger am Main den Himmel selbst: Sie ließen kleine, mit Wasserstoff gefüllte Luftballons steigen, bis der Rat der Stadt die "aeronautischen Versuche" wegen der großen Feuergefahr untersagte.

Der Ballon, mit dem Käthchen Paulus - ihr Künstlername lautete "Miss Polly" - abhob und entschwebte, war 12 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von drei Metern. Manchmal hing darunter kein Korb, sondern zum Beispiel ein Fahrrad der Adlerwerke.

Paulus achtete nicht nur penibel darauf, dass sich ihr Fluggerät immer im besten Zustand befand. Sie hatte aber auch ein ausgeprägtes Gespür für publikumswirksame Auftritte. Ihre Arbeitskleidung, Matrosenanzug und Pumphosen, mochten zwar bei einer Frau als unschicklich gelten und doch vermittelten sie so genau das Bild, das sich die Menge von einer "Luftschifferin" machte. Einmal, bei einer Vorstellung am Frankfurter Zoo, gelang es ihr 20 000 Eintrittskarten zu verkaufen. 561 mal stieg sie mit dem Ballon auf, 147 mal ließ sie sich mit dem Fallschirm zu Boden gleiten. Von einem Beinbruch und mehreren Landungen in Bäumen abgesehen, blieb sie von Unfällen verschont.

Ihrem Mann, Julius Lattemann, war dieses Glück nicht vergönnt. Er starb bei einer gemeinsamen Show: Nachdem Käthchen mit Lattemann im Ballon aufgestiegen war und sich mit ihrem Fallschirm über Bord geschwungen hatte, musste sie mit ansehen, wie Lattemanns geplantes Manöver misslang: der Ballon fiel in sich zusammen und stürzte in die Tiefe. "Als ich landete, hatten sie ihn schon tot in einer Straße von Krefeld gefunden. Es war sehr schwer." Lattemann war auch ihr Lehrer gewesen. Durch ihn hatte sie sich die Luft erobert. Nach seinem Tod war Paulus monatelang krank und wollte aufgeben. Doch dann fasste sie neuen Mut und begann sogar den Pilotenschein für Motorflugzeuge machen. Als ihr Lehrer bei einem Absturz ums Leben kam, beschloss sie sich auf den Ballon zu beschränken.

Ihre Fallschirme entwickelte sie ständig weiter und produzierte während des ersten Weltkriegs für die Armee. Die Fallschirme von Käthchen Paulus retteten im April 1917 zwanzig Ballonaufklärern das Leben, als sie in der Schlacht um Verdun abgeschossen wurden.

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