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Justitia

Prozess

Schutzgeld erpresst

„Ein Klima der Angst geschaffen": Der Offenbacher Kampfsportler Deniz A. (34) muss sich deshalb vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Er soll Schutzgeld erpresst haben.

Von Sonja Jordans

Es ist ein Mammutprozess mit 27 Verfahrensbeteiligten, der am Donnerstagmorgen vor dem Landgericht Darmstadt begonnen hat: Allein sieben Angeklagte mit ihren Anwälten drängen sich im Saal, dazu kommen Richter und weitere Beteiligte. Die Anklageschrift umfasst knapp 30 Punkte, ihre Verlesung dauert eine Stunde. Die vorgeworfenen Taten decken ein Spektrum von Schutzgelderpressung über Körperverletzung bis Betrug ab.

Unter den Angeklagten: Deniz A. (34), ehemaliger Betreiber des Offenbacher Kampfsportzentrums „Fight Club“. Er soll zusammen mit seinem derzeit flüchtigen Zwillingsbruder Devrim in seiner Heimatstadt „ein Klima der Angst“ geschaffen haben, wie es Staatsanwältin Annette von Schmiedeberg beschreibt.

Die Brüder sollen – teils unter Mithilfe dreier ebenfalls angeklagter Männer – über mehrere Jahre hinweg bis 2009 in Offenbach „unter Androhung von Gewalt“, wie es in der Anklage heißt, Schutzgeld erpresst haben. Dabei soll es um rund 100 000 Euro gegangen sein.

Mit dem Tod gedroht

Opfer waren hauptsächlich türkische Betreiber von Cafés und Spielhallen, darunter der Chef eines Kiosks an der Herrnstraße. Diesen sollen sie im Oktober 2009 mehrfach aufgesucht und bedroht haben. Falls er nicht zahlen wolle, würden sie ihn töten und seine Kunden „kaputtmachen“, so Staatsanwältin von Schmiedeberg. Doch der Mann weigerte sich.

Bei einer darauffolgenden „Bestrafungsaktion“ der Brüder A., zu deren Zweck sie Mitglieder ihrer Kampfsportschule zusammengetrommelt haben sollen, seien Deniz und Devrim A. mit einem Totschläger auf den Kioskbetreiber losgegangen. Dabei kam es zu einer Massenschlägerei mit Messereinsatz.

Gewalttätig sei auch eine Auseinandersetzung der Brüder A. mit einem Kampfsportler aus Hanau gewesen. Nach Schmähungen via Internet hätten sich die Brüder mit dem Mann für ein „klärendes Gespräch“ getroffen, heißt es in der Anklage. Devrim A. habe dabei auf den Mann geschossen, der Schuss habe sich jedoch nicht aus der Waffe gelöst.

Die Brüder A. sollen zudem „einen guten Draht“ zu einem ehemaligen Polizeibeamten aus Offenbach gehabt haben. Dieser habe die beiden gegen Geld über Ermittlungen gegen sie informiert, ihnen Verhaltenstipps gegeben und die Adressen von Zeugen verraten.

Dafür hatte sich der Polizist Anfang dieses Jahres vor dem Landgericht Darmstadt verantworten müssen. Das Verfahren war jedoch kurz nach Beginn ausgesetzt worden, da der Mann herzkrank ist.

Ebenfalls wegen Krankheit ist am Donnerstag das Verfahren gegen einen Notar aus Frankfurt abgetrennt worden. Er hatte sich ursprünglich mit den sieben weiteren Angeklagten verantworten müssen. Der Notar soll Deniz A. sowie drei anderen in dem Verfahren Angeklagten – zwei Männern und einer Frau – bei betrügerischen Immobilienverkäufen geholfen haben, indem er notwendige Unterlagen beglaubigt hatte. Zuvor sollen die Angeklagten mit gefälschten Papieren Bankdarlehen in der Höhe von 260 000 und 103 000 Euro erlangt haben.

Sämtliche Angeklagten äußerten sich am Donnerstag nicht zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am 5. Juli fortgesetzt, das Verfahren könne laut Gericht noch Monate dauern.

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