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Den Mond sehen wir ständig, aber wie sieht es mit der Milchstraße aus? Einfach mal in den Sternenpark Rhön fahren, da geht das.

Lichtverschmutzung

Im Schutz der Nacht

Fulda reduziert Lichtquellen und entwickelt sich zum Vorbild für andere Städte.

Die Stadt Fulda engagiert sich wohl wie keine andere in Deutschland gegen Lichtverschmutzung. Rund ein Jahr nach der Ernennung zu Deutschlands erster sogenannter Sternenstadt hat sich Fulda zum Vorbild für Nachahmer entwickelt. Die Stadt berichtet unter anderem von Erfolgen im Kampf gegen Lichtverschmutzung, von Energie-Einsparungen und einem Imagegewinn. „Mit der Auszeichnung ist Fulda national und international bekannter geworden. Fulda wird als „Leuchtturm“ in vielen überregionalen Medien und Fachmagazinen sowie auf Fachkongressen bezeichnet“, sagte Stadtsprecher Johannes Heller. Städte aus dem In- und Ausland informierten sich, wie der Sternenstadt-Status zu erreichen sei. Interessenten kämen unter anderem aus Österreich, den Niederlanden und Südkorea.

Fulda hatte Anfang 2019 von der in den USA beheimateten International Dark Sky Association (IDA) die Auszeichnung „Dark Sky Community“ als erste und bislang einzige Stadt bundesweit erhalten. Die IDA würdigt mit dem Titel die Anstrengungen im Kampf gegen Lichtverschmutzung. Lichtverschmutzung bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, deren Licht in die Atmosphäre strahlt. Ziel der Initiative ist es, den dunklen Nachthimmel wieder für mehr Menschen erlebbar zu machen.

Kooperation mit der Rhön

Fulda, berichtete der Stadtsprecher, sei für viele Städte Maßstab. „Aus diesem Grund freuen wir uns umso mehr, dass von der Sternenstadt Fulda positive Impulse zum Schutz der Nacht und zur Nachhaltigkeit in die Welt ausgehen“, sagte er. Auch in der Fuldaer Bürgerschaft habe das Thema Lichtverschmutzung deutlich mehr Gewicht bekommen.

Auf den Tourismus habe das Thema „Sternenstadt“ allerdings noch keine bedeutenden Auswirkungen, räumte Heller ein. Fulda biete derzeit eine Sternenführung an. Weitere Angebote und erlebnisorientierte Aktionen würden derzeit erarbeitet. „Durch die enge Kooperation mit dem Sternenpark Rhön liegt eine gemeinsame Vermarktung von Sternenpark und Sternenstadt nahe“, sagte Heller.

In Sachen Lichtverschmutzung und Energiesparen sind schon erste Effekte zu beobachten, wie Heller sagte. Im Rahmen von Erneuerungen im Jahr 2019 seien bereits mehr als 130 Straßenbeleuchtungsanlagen abmontiert und durch 185 neue ersetzt. Bei den demontierten Altanlagen handelte es sich um Leuchten, die teilweise bis zu 13 Prozent ihres abgegebenen Lichts nach oben in den Nachthimmel abstrahlten. Obwohl sich die Anzahl der Leuchten sogar erhöhte, wurden 52 Prozent Energiekosten gespart – und das bei einer Verbesserung des Beleuchtungsniveaus in verschiedenen Straßen, wie Heller erklärte.

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) lobte: „Die in Fulda gefundenen Lösungen zeigen, dass ein großer Teil der Lichtverschmutzung mit einfachen Mitteln vermeidbar ist: Zum Beispiel mit dem vermehrten Einsatz von LED-Leuchten und der gleichzeitigen Abschirmung und dem Dimmen von Straßenlaternen in der Stadt.“

Zudem wurden bei den Verbesserungen für die Sternenstadt Bodenstrahler an Gebäuden zurückgebaut oder verändert. Wie viel Energie über alle Maßnahmen hinweg eingespart wurde, konnte die Stadt noch nicht erheben. „Die tatsächliche Messbarkeit erfordert einen hohen technischen Aufwand und langjährige, kontinuierliche Messreihen“, erklärte Heller. Nach einer Pilotphase mit stichprobenhaften Handgerätemessungen solle nun ein automatisiertes Messnetz für ein langjähriges „Himmelsmonitoring“ in der Region aufgebaut werden. Geeignete Messgeräte würden erprobt.

Die Stadt geht davon aus, dass es gelungen sei, viele Menschen in der Stadt für das Thema zu sensibilisieren. Die vielen Rückfragen im Jahr 2019 deuteten darauf hin, sagte Heller. Über konkrete Beteiligungen von Privatleuten im Kampf gegen Lichtverschmutzung lägen der Stadt aber keine Daten vor. (dpa)

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