Schüler betreten den Hof der Hellerhofschule.
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Schüler betreten den Hof der Hellerhofschule.

Öffnung

Schulöffnung in Hessen: Erster Tag zwischen Panik und Entspannung

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Grundschulöffnung in Hessen polarisiert die Eltern. Mancherorts war der Unterricht nur mit Ersatzlehrern möglich, da viele Lehrerinnen zuhause geblieben sind.

Mit dem Verlauf des ersten Tags des Vollbetriebs an den Grundschulen sei man insgesamt zufrieden, sagt ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums auf Anfrage. „Wir sehen, dass es für die Schulen eine große Herausforderung war, aber sie haben das gut bewältigt.“

Größere Probleme seien nicht aufgetreten. An manchen Schulen habe die Lehrerversorgung allerdings nur durch Abordnungen aus anderen Schulen oder durch den Einsatz von Vertretungskräften sichergestellt werden können.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die dem Unterricht ferngeblieben seien, schätzt man im Ministerium auf einen mittleren einstelligen Prozentanteil. Genaue Daten lägen dazu nicht vor, so der Sprecher.

„Es ist total unterschiedlich gelaufen“, sagt Stefan Wesselmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). An manchen Schulen sei der erste Tag „relativ ruhig und entspannt“ gewesen, an anderen Schulen dagegen sei es mehr als holprig losgegangen. So hätten sich an einer dreizügigen Grundschule von 20 Lehrerinnen sechs krankgemeldet, bei anderen sei das Kollegium dagegen komplett angetreten.

Ähnlich unterschiedlich hätten sich auch die Eltern verhalten. „Mancherorts herrschte richtig Panik“, berichtet Wesselmann. Da hätten sich bereits zu Ende vergangener Woche 30 von 250 Schüler vom Unterricht abgemeldet. „Das hängt manchmal von einzelnen Personen ab, die andere sehr beeinflussen können, und natürlich der Empfänglichkeit der anderen Eltern für mögliche Ängste, die da geäußert werden“, sagt er. An seiner eigenen, der Trinkbornschule in Rödermark (Kreis Offenbach), sei der Tag ohne große Aufregung verlaufen.

„Lediglich einzelne Eltern haben sich gemeldet und gesagt, sie würden ihre Kinder nicht für Experimente zur Verfügung stellen.“ Insgesamt, so schätzt Wesselmann, seien zwischen fünf und zehn Prozent der Grundschülerinnen und -schüler dem Unterricht fern geblieben. Das Kultusministerium hatte es den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder ob diese weiterhin zu Hause lernen sollten. Kinder, die zu einer Risikogruppe zählen oder betroffene Angehörige haben, sind ohnehin vom Schulbesuch freigestellt.

„Die Stimmung bei den Eltern ist sehr gespalten“, berichtet Reiner Pilz vom Elternbund Hessen. Etwa die Hälfte mache sich große Sorgen wegen des Unterrichts ohne einen Sicherheitsabstand.

Bei der anderen Hälfte überwiege die Erleichterung darüber, dass die Schule wieder annähernd normal laufe. Jedenfalls seien die Schüler und Schülerinnen nicht massenhaft zu Hause geblieben.

Birgit Koch, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen, berichtet dagegen von einzelnen Schulen, an denen sich ein Drittel der Schülerinnen und Schüler abgemeldet hätten. „Es ist da eine Polarisierung zwischen den Eltern zu beobachten“, sagte sie.

Etwa zehn Prozent der Lehrkräfte, so Kochs Schätzung, seien am Montag nicht in die Schule gekommen – weil sie bereits als Angehörige einer Risikogruppe freigestellt gewesen seien oder weil sie sich akut krankgemeldet hätten. Grundsätzlich hält die GEW die Schulöffnung für alle noch vor den Sommerferien für einen Fehler. Pädagogisch laufe in dieser Zeit ohnehin nicht viel.

Regeln für den Unterricht

Für alle Jahrgänge der Grundschule und der Grundstufen der Förderschule hat am Montag wieder der tägliche Präsenzunterricht begonnen. Die Klassen 1 und 2 sollen mindestens vier Zeitstunden unterrichtet werden, die Klassen 3 und 4 haben fünf Zeitstunden. Der Unterricht soll so bis zu den Sommerferien fortgeführt werden, die in zwei Wochen anfangen. 


Die Klassen sollen jeweils in demselben Raum und von denselben Lehrkräften unterrichtet werden, um Kontakte möglichst einzuschränken. Das Abstandsgebot wird aufgehoben. Die Hygienevorgaben gelten weiter.

Die Schulbesuchspflicht wird bis zu den Sommerferien ausgesetzt. Die Schulpflicht aber bleibt bestehen. Das heißt, Eltern können wählen, ob ihr Kind am Präsenzunterricht in der Schule teilnehmen oder ob es weiterhin zu Hause lernen soll. Zudem wird das Homeschooling für Schülerinnen und Schüler fortgesetzt, die wegen der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe, etwa wegen einer Vorerkrankung, nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche, für die aufgrund einer Infektion Quarantäne angeordnet worden ist.

Besondere Regeln gelten weiterhin beim Sport- und Musikunterricht sowie beim Darstellenden Spiel. So gilt beispielsweise, dass Umkleidekabinen und Duschräume geschlossen bleiben müssen, dass der Sport kontaktfrei ausgeübt werden muss und es nach wie vor keinen Chorgesang gibt. Auch die Nutzung von Blasinstrumenten im Musikunterricht muss weiterhin unterbleiben.

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