Wehende Fahnen als sichtbares Zeichen des Protests gegen die Öffnung der Grundschulen.
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Wehende Fahnen als sichtbares Zeichen des Protests gegen die Öffnung der Grundschulen.

Protest

„Schulöffnung in Hessen für alle ist unverantwortlich“

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Grundschullehrkräfte sehen ihre Gesundheit und die der Schülerinnen und Schüler in Hessen gefährdet. Die Kritik richtet sich vor allem gegen einen Punkt.

Rund 150 Menschen, vor allem Grundschullehrerinnen, haben am Mittwochnachmittag vor dem Offenbacher Rathaus gegen die von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) angekündigte Öffnung der Grundschulen für alle Schülerinnen und Schüler am kommenden Montag protestiert. Dies sei unverantwortlich und gefährde die Gesundheit von Lehrkräften und Kindern.

Bei der Versammlung, zu der die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eingeladen hatte, achteten alle Teilnehmerinnen peinlichst auf die Einhaltung der Abstandsregel. Alle trugen zudem Masken und viele auch Hasenohren – Letztere als Zeichen des Protests, dass man kein „Versuchskaninchen“ sein wolle.

Die Kritik an den Schulöffnungen richtete sich vor allem gegen die damit verbundene Abschaffung der Abstandsregel in den Klassenräumen. „1,5 Meter im Aldi, null Meter in der 1c“ war etwa auf einem Plakat zu lesen. „Das Kultusministerium setzt ganz bewusst unsere Gesundheit aufs Spiel“, beklagte Edeltraud Trinowitz von der GEW Offenbach. Zudem sei es unerträglich, dass die über 60-Jährigen nicht mehr pauschal als Risikogruppe gelten.

GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald forderte, die Öffnung für alle am Montag abzublasen. „Wir wollen mit Abstand und in Ruhe weiterarbeiten“, sagte sie.

In einem offenen Brief an Lorz hatten Schulleitungen von Offenbacher Grund- und Förderschulen bereits erklärt, Lehrkräfte und Schüler seien sehr verunsichert. Es sei pädagogisch nicht vertretbar, den Kindern vermitteln zu müssen, dass Abstandsregeln nur noch außerhalb des Klassenraums gelten sollen.

Zudem werde es etlichen Schulen wegen des Mangels an Lehrkräften nicht gelingen, auch nur den Regelunterricht abzudecken, mahnen die Schulleiter und Schulleiterinnen. Bis zu rund einem Drittel der Lehrkräfte gehörten Risikogruppen an.

Die GEW-Gruppe Offenbach wirft Minister Lorz Zynismus vor und kritisiert, an den Grundschülern und Lehrkräften werde getestet, was passiere, wenn man die Abstandsregeln in geschlossenen Räumen aufhebe. Eine große Zahl der Lehrkräfte in den Grundschulen sei äußerst besorgt und fühle sich als „Versuchskaninchen“ missbraucht.

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