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Allmorgendlich muss Schulleiterin Christiane Knickel jetzt die Sets für die Corona-Schnelltests herrichten.
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Allmorgendlich muss Schulleiterin Christiane Knickel jetzt die Sets für die Corona-Schnelltests herrichten.

Bildung

Schulleitungen in Stadt und Kreis Offenbach beklagen Überlastung

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Zu viele Verwaltungsaufgaben, zu wenig Zeit für Schulentwicklung. Und Mehrarbeit durch Corona.

Die Leiter und Leiterinnen von Grund-, Förder- und Gesamtschulen sowie einigen Gymnasien in Stadt und Kreis Offenbach schlagen Alarm. Sie sind in ihrer Leitungsfunktion überlastet, geraten gerade in der Corona-Pandemie ans Limit ihres Leistungsvermögens, werden vielfach krank und sorgen sich deshalb um ihren Berufsstand. Das sagt zumindest Christiane Knickel, die Kreisverbandsvorsitzende des Interessenverbands Hessischer Schulleitungen (IHS). Sie vertritt rund 80 Schulleiter:innen aus Stadt und Kreis Offenbach.

Der IHS Stadt und Landkreis Offenbach ist der zweitgrößte im hessischen Landesverband, der 1200 Mitglieder zählt. „Die Drehzahl, mit der wir Aufgaben zu bewältigen haben, ist sehr hoch“, sagt Knickel. Sie und ihre Kolleg:innen seien erschöpft und ausgelaugt, die Pandemie habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Viele arbeiteten weit über ihre Belastungsgrenzen hinaus und würden dabei krank. „Schon zu den Herbstferien waren die Schulleiter und Schulleiterinnen fertig mit den Nerven.“

Nur zwei bis drei Stunden täglich für die Schulleitung

An der Grundstruktur des Schulleiterberufs müsse zumindest an Grund-, Förder- und Gesamtschulen dringend etwas geändert werden, meint der IHS-Kreisverband. Viele dieser Schulleitungen müssten sich zeitintensiven Organisationsaufgaben, Verwaltungsroutinen und Personalmaßnahmen widmen, seien aber gleichzeitig „sehr hoch unterrichtsverpflichtet“. Vertretungsunterricht komme gerade in der Corona-Pandemie oft noch obendrauf. Schulleitungen von Gymnasien dagegen unterrichteten deutlich weniger.

Das beste Beispiel ist Christiane Knickel selbst: Von den wöchentlich 28,5 Pflichtunterrichtsstunden einer Grundschullehrkraft bekommt sie elf Stunden Leitungszeit abgezogen. „Das sind zwei bis drei Stunden pro Tag für die Schulleitung“ – reiche aber bei weitem nicht, um die umfangreichen Aufgaben zu erledigen, die einem Managementberuf gleichen. „Die Leitungszeit verrinnt einem zwischen den Fingern“, sagt sie. Es gebe viel Gesprächsbedarf mit Kitas, weiterführenden Schulen, Kirchen und Gesundheitsakteuren, mit Therapeuten, Sonderpädagogen, Beratungs- und Förderzentren, mit besorgten oder erzürnten Eltern. „Digitalisierung, Datenschutz, maßgeschneiderte Förderangebote, Umsetzung von Hygienekonzepten, Bereitstellung von maßgeschneiderten Förderangeboten – das alles gehört zum normalen Alltagsgeschäft.“ Hinzu kämen abends Elternbeiratssitzungen oder Zusammenkünfte des Fördervereins. Die Schulleitungen hätten einen hohen Qualitätsanspruch, aber die pädagogische Arbeit, die Schulorganisation und die Schulentwicklung gerieten angesichts der Aufgabenfülle ins Hintertreffen.

Mehr administrative Aufgaben für Schulleitungen in der Corona-Pandemie

Schulleiter:innen müssten Prozesse planen, weiterentwickeln, evaluieren und dokumentieren sowie ein Budget verwalten. „Wir haben aber Pädagogik studiert“, sagt Knickel. Die Sekretärinnen seien beim Schulträger, also dem Kreis beziehungsweise der Stadt Offenbach, angestellt und gingen in einer Grundschule mittlerer Größe um 13 Uhr nach Hause – auch wenn die Schule im Ganztag bis 17 Uhr dauert. Was an Verwaltungsaufgaben liegen bleibe, lande auf dem Schreibtisch der Schulleitung. „Ich komme um 17 oder 18 Uhr heim und habe dann noch Unterricht vorzubereiten“, sagt Knickel. Die administrativen Aufgaben in der Verwaltung seien in der Pandemie noch mehr geworden, „aber der Tag hat nicht mehr Stunden“.

Für die Besoldung mache man den Job nicht, sondern wegen der intrinsischen Motivation, erklärt sie. Das Endgehalt einer Grundschulleiterin oder eines -leiters sei nämlich nahezu das Einstiegsgehalt einer gymnasialen Lehrkraft. Das sei auch ein Grund, warum sich viele den Stress der Leitung einer Grund-, Förder- oder Gesamtschule nicht antun wollen. An Gymnasien gebe es dagegen einen größeren Schulleiterstab, mehr Sekretärinnen und mehr Beförderungen.

Es fehlt an pädagogischem Personal an den Schulen

Corona und Inklusion forderten die Schulleitungen stark, „aber die Arbeitsbedingungen stammen in der Regel aus dem letzten Jahrhundert“, moniert Knickel. Es gebe mittlerweile auch sehr viele emotional bedürftige Kinder, für die Sonderpädadog:innen nötig wären. Aber pädagogisches Personal fehle in den meisten Schulen.

Der IHS-Kreisverband habe seit 2017 Überlastungsanzeigen gestellt und nach Wiesbaden geschickt. Das Kultusministerium habe diese aber weder berücksichtigt noch persönlich Stellung bezogen. Die Fürsorge für die Kollegien und Schulleitungen sei an das Staatliche Schulamt zurückdelegiert worden. Das Schulamt wiederum habe Gespräche mit dem Vorstand des Schulleitungsverbandes geführt, aber konkrete positive Veränderungen der belastenden Situationen seien ausgeblieben.

Schulamt bezieht Stellung

Auf FR-Anfrage erklärt Susanne Meißner, Leiterin des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis Offenbach, in bestimmten Phasen hätten viele Schulleitungen sicherlich über das übliche Maß an Leistung hinausgehen müssen, um einen funktionierenden Unterrichts- und Betreuungsbetrieb sicherzustellen. Dafür sei sie ihnen sehr dankbar. Allerdings seien auch anderen Berufsgruppen höhere Belastungen abverlangt worden. „Eine erhöhte Krankheitsrate bei den Schulleiterinnen und Schulleitern konnte in unserem Amtsbereich nicht festgestellt werden“, schreibt sie in einer Stellungnahme.

Mit dem Landesprogramm „Starke Heimat – Verwaltungskräfte an Schulen“ seien zusätzliche Stellen geschaffen worden, um die Schulleitungen bei den anfallenden Verwaltungstätigkeiten zu unterstützen. Diese Stellen würden dem Schulträger vom Land zugewiesen, der sie dann im Benehmen mit dem zuständigen Staatlichen Schulamt an die Schulen verteile. Hierzu sei sie selbst bereits mit dem Kreis Offenbach im Gespräch und hoffe, dass diese Entlastung bald bei den Schulleitungen ankomme.

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