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Die Schulen können mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichten, die klassischen Grenzen zwischen den Fächern auflösen oder andere innovative Wege probieren.

Bildung

Schulen ohne Noten in Hessen

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Schwarz-Grün in Hessen öffnet den Weg für „kreative Ideen“ an den Schulen. AfD und FDP fürchten um das Leistungsprinzip. SPD und Linken geht die „pädagogisch selbstständige Schule“ nicht weit genug.

Bis zu 30 Schulen in Hessen können vom nächsten Schuljahr an auf Noten verzichten – in allen Jahrgängen außer in den Abschlussklassen. In einer Landtagsdebatte am Donnerstag warben insbesondere die Grünen für dieses Projekt der „pädagogisch selbstständigen Schulen“.

Solche Schulen müssen nicht auf Noten verzichten, dürfen es aber. Sie können auch mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichten, die klassischen Grenzen zwischen den Fächern auflösen oder andere innovative Wege probieren. Der Grünen-Abgeordnete Daniel May hofft, dass „viele kreative Ideen“ entstünden. Es gehe darum, „Schulen neue Wege zu ermöglichen, von denen letztlich alle Schulen profitieren können“.

Der CDU-Bildungspolitiker Armin Schwarz versuchte Bedenken zu zerstreuen, dass Schulen sich von Bildungszielen verabschiedeten und das Leistungsprinzip aufgäben. Schulen dürften nur mit solch neuartigen Konzepten arbeiten, wenn Eltern, Schüler und Lehrkräfte in den Schulkonferenzen zustimmten und das Staatliche Schulamt das Konzept überprüft habe, versicherte Schwarz.

Gute Erfahrungen

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) erinnerte an einen Schulversuch, bei dem zwölf Schulen bereits jahrgangsübergreifend unterrichteten. Die beteiligten Schulen hätten gute Erfahrungen gemacht und wollten diese Arbeit fortsetzen.

Die Vertreter von AfD und FDP erinnerten die Christdemokraten daran, dass sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) noch vor wenigen Jahren vehement gegen den Verzicht auf Noten ausgesprochen hatte. „Jede Schule kann letztlich tun und machen, was sie will“, befürchtete der AfD-Schulpolitiker Heiko Scholz. Er sprach von einer „bildungspolitischen Vergrünung“ und einer von vielen „Bankrotterklärungen der hessischen CDU“. Der FDP-Abgeordnete Moritz Promny urteilte, jetzt werde, wie Bouffier es seinerzeit befürchtet habe, „Bildungspolitik auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler“ ausgetragen.

Lorz entgegnete dem Freidemokraten, das Prinzip der „selbstständigen Schule“ sei 2012 unter einer FDP-Kultusministerin eingeführt worden. Seinerzeit war Dorothea Henzler (FDP) im Amt.

Die seither eingerichteten „selbstständigen Schulen“ hatten jedoch keine eigenständigen pädagogischen Konzepte vorgelegt. Vielmehr beschränkt sich ihre Selbstständigkeit auf organisatorische Fragen wie das Budget oder das Personal. Das soll sich nun ändern.

Der SPD und den Linken geht das Konzept nicht weit genug. Der SPD-Politiker Christoph Degen argumentierte mit seinen eigenen Erfahrungen als Lehrer an einer Förderschule. Dort gebe es schon lange keine Ziffernnoten und einen fächerübergreifenden Unterricht. Die Übertragung dieser Prinzipien auf einige wenige allgemeinbildende Schulen nannte Degen einen „zaghaften Versuch“. Notwendig sei aber, dass sie eine stärkere Aufstockung der Lehrerstellen bekämen als geplant.

Die Linken-Abgeordnete Elisabeth Kula sprach von „kleinen Freiheiten“ für Schulen, die einen Erfolg der Grünen gegen die CDU suggerieren sollten. Die schwarz-grüne Koalition gebe „jedem Töpfchen sein Deckelchen“. Das diene nur dazu, das Bildungssystem nicht grundlegend ändern zu müssen. Aus Sicht der Linken müsse das gegliederte Schulsystem überwunden werden.

Von Pitt von Bebenburg

Immer mehr Schüler in Hessen leiden laut DAK-Report unter einer Depression. Das zeigt ein DAK-Report: Ein Viertel aller Schüler zeigt demnach psychische Auffälligkeiten.

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