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Gerichtsgebäude in Hanau.
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Gerichtsgebäude in Hanau.

Landgericht Hanau

Schüsse durch die Haustür

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Ein 53 Jahre alter Mann wird in Hanau durch die Haustür erschossen. Der Schwager des Getöteten muss sich jetzt vor dem Landgericht Hanau verantworten. Streit um das Erbe gilt als mögliches Motiv.

Einer der wohl rätselhaftesten Mordfälle in Hanau wird ab 8. November die 1. Große Strafkammer am Landgericht Hanau beschäftigen. Am 7. September 2013 ist kurz vor Mitternacht in der Gallienstraßen auf den 53 Jahre alten Jürgen V. durch die Haustür geschossen worden. Der Täter klingelte und feuerte dann vier Mal durch den Glaseinsatz der Tür auf den Familienvater, bevor der öffnen konnte. Das Opfer verstarb an seinen Verletzungen im Krankenhaus. In der Fernsehensendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ sprach Moderator Rudi Cerne bei der Vorstellung des Falls davon, dass V. „regelrecht hingerichtet“ worden sei.

Augenscheinlich fehlte auch ein Mordmotiv, denn das Opfer, Inhaber einer Spedition, soll weder private noch geschäftliche Feinde gehabt haben. Ins Visier der Ermittler geriet jedoch früh der Schwager Lutz H.. Allerdings reichten die Indizien nicht aus, um den 52-Jährigen wegen Mordes an dem Familienvater vor Gericht zu bringen. Das gelang im Mai dieses Jahres in Kooperation mit der Kärntner Polizei. Mutmaßlich, denn laut Staatsanwaltschaft Hanau bestreitet der Angeklagte die Tat, zu der es offenbar keine Zeugen gibt. Zur Tatzeit hatten in dem Haus die Frau des Opfers und drei der vier Kinder geschlafen. Sie sind von den Schüssen geweckt worden und fanden den Vater blutend im Flur liegen.

Während der zweieinhalb Jahre seien die Ermittlungen intensiv weitergelaufen, heißt es von Polizei und Staatsanwaltschaft im Mai nach der Festnahme von Lutz H. „Nach dem Anfangsverdacht ist dennoch in alle Richtungen sehr differenziert ermittelt worden“, so die Anklagebehörde. Hierbei habe sich der Verdacht gegen den 52-Jährigen so sehr erhärtet, dass ein Haftbefehl gegen den mittlerweile nach Österreich gezogenen Mann erlassen werden konnte. 2014 wurde über den Rechtshilfeweg bei der österreichischen Bundespolizei um verdeckte Ermittlungen ersucht, heißt es. Über die weitere Vorgehensweise geben die Behörden keine Auskunft.

Laut Information der FR soll H. der Kripo bei einem Scheinwaffenkauf auf den Leim gegangen sein. Die vermeintlichen Käufer haben bei H. nach einer Schusswaffe mit Geschichte gefragt, dar-auf soll H. die Hanauer Tatwaffe angeboten haben. Laut einem Bericht der „Kleinen Zeitung“, die als größtes Regionalblatt im Land gilt, soll H. passionierter Jäger sein und einige Waffen legal besessen haben, aber auch zwei ohne Genehmigung.

Der Angeklagte soll aus einer wohlhabenden deutschen Unternehmerfamilie stammen. Das Haus in Kärnten, wo er festgenommen wurde, soll im Familienbesitz sein.

Lutz H. geriet deshalb nicht aus dem Ermittlungsfokus, weil er in einem Zivilrechtsstreit mit seiner Schwester lag. Die Verhandlung in der Sache sollte wenige Tage nach dem 7. September aufgerufen werden. Wegen der Mordtat ist es dazu jedoch nicht mehr gekommen. Laut der „Kleinen Zeitung“ habe die Frau des Opfers ihren Bruder verklagt, weil der ihr 40 000 Euro aus dem Erbe der Mutter schulde. Die Staatsanwaltschaft bestätigte das Motiv nicht noch dementierte sie es; sie spricht von einem „langdauernden Zerwürfnis“.

Der Prozess gegen H. ist mit zehn Verhandlungstagen angesetzt. Beginn ist am 8. November, 9 Uhr, Saal 215. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, tritt die Familie des Opfers als Nebenkläger auf.

In Hanau sind mindestens acht Menschen bei zwei Schießereien getötet worden. Mehrere Menschen wurden verletzt.

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