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Das erste von 27 neuen Pulten steht. Schienen für Stühle sind im Ahorn-Boden eingelassen. 

Plenarsaal

Schrille Töne im hessischen Landtag

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Handwerker schaffen mehr Platz, ohne das „vollständige Rund“ des Plenarsaals zu zerstören. Die Zeit der Katzentische ist nach dem Sommer vorbei.

Das Klima im hessischen Landtag soll besser werden. Nicht das menschliche, auch nicht das politische. Gemeint ist der Sauerstoff, der gelegentlich fehlt. Und der Durchzug, der so manchen Abgeordneten quält. Die Veränderungen an der Klimatisierung sind zwar nicht der Anlass dafür, dass seit Wochen Architekten, Handwerker und Bauleiter das Sagen in Hessens Demokratiezentrum haben. Aber weil dort im Moment ohnehin einiges zu tun ist, erledigen die Fachleute das gleich mit.

Nach der Wahl im Oktober ist der Landtag auf 137 Abgeordnete gewachsen, plus Referenten. So mancher mussten seit Januar am Katzentisch den Debatten folgen. Nach den Sommerferien ist diese Zeit der Provisorien vorbei. 75 Prozent der Arbeiten seien dann fertig, sagt Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. Die anderen 25 Prozent seien „Kleinigkeiten“, die in den nächsten Monaten erledigt werden könnten.

So soll im großen Haupteingang der Regieraum unterkommt. Für die Fernsehkameras wurden neue Plätze geschaffen, damit sie den Abgeordneten nicht mehr zu nahe kommen. Der Boden wird vergrößert, Führungsschienen für die Stühle sind notwendig. Und, und, und. Die Stimmung ähnelt der einer Kirche, die gerade saniert wird. Der offizielle Charakter des Saals ist dem der Baustelle gewichen. Die elektrische Blechschere schrillt am Dienstag, zwei Handwerker bereiten auf der SPD-Bank die Anschlüsse für die Laptops der Abgeordneten vor. Alleine 2,5 Kilometer Kabel werden neu gezogen, sagt Rhein. Eines der 26 neuen Pulte wird gerade aufgebaut.

Plenarsaal erweitern. Das geht nicht so einfach, sagt Stephan Erkel vom Büro Waechter und Waechter, nach dessen Plänen der Saal gebaut wurde. Er wacht darüber, dass das „vollständige Rund“ als Symbol der Demokratie erhalten bleibt. Kein „Patchwork“ entsteht. Die neuen Ahornhölzer für Pulte, Böden und auch Wände wurden bearbeitet, damit sie gegen die in den zehn Jahren gedunkelten nicht auffällig abstechen. „Die massive Erweiterung“, sagt Erkel, sei gelungen. „Wir haben weiterhin ein harmonisches Ganzes.“

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