Es müssen ja nicht Federkiel und Tintenfass sein. Handschrift lässt sich auch mit dem Füller üben. Man muss es nur tun. Fotostudio Heyer

Handschrift

Die Schreibfähigkeit schwindet

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Kinder und Jugendliche haben immer mehr Mühe mit der Handschrift . Eine Initiative versucht gegenzusteuern. Das Problem aber wird immer größer.

Zwei von drei Schülerinnen und Schülern bekommen einen Schreibkrampf, wenn sie länger als zehn Minuten am Stück mit der Hand schreiben sollen. Nur etwa die Hälfte schafft es, überhaupt mit einer flüssigen Handschrift Wörter und Sätze zu Papier zu bringen. „Bei manchen geht das so weit, dass wir ihnen bei Klassenarbeiten einen Laptop hinstellen müssen, auf dem sie dann tippen dürfen“, berichtet Elisabeth Waldorff.

Die Leiterin der Martin-Niemöller-Schule in Wiesbaden war am Montag Gastgeberin einer Veranstaltung, die die Schreibfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zu verbessern helfen soll. Die Stiftung Handschrift, gegründet in Wiesbaden, lädt seit nunmehr zehn Jahren Lehrkräfte und deren Klassen ein, einen Brief zu schreiben. Die 100 schönsten werden dann in einem Sammelband abgedruckt. Die Niemöllerschule beteiligte sich von Anfang an an dem Wettbewerb (siehe Kasten).

„Beim Schreiben mit der Hand ist man viel kreativer, als wenn man tippt, man kann Inhalte besser verstehen und sich besser an sie erinnern“, sagte Christian Boehringer. Der Pharma-Unternehmer (Boehringer-Ingelheim) ist einer der Mitinitiatoren des Schreibwettbewerbs und dessen Hauptsponsor. Aus dem eigenen Unternehmen wisse er, dass auch Wissenschaftler komplizierte Sachverhalte oder komplexe Ideen zuerst handschriftlich festhielten, bevor diese in digitaler Form in Computer getippt würden.

Wettbewerb
Die Stiftung Handschrift richtet seit zehn Jahren einen Schreibwettbewerb für die Klassen 6 und 7 aller hessischen Schulformen aus.

10.000 Schülerinnen und  Schüler beteiligen sich an der aktuellen Runde. Bis Ende Mai sollen sie einen Brief zum Thema „Glück“ schreiben.

Weitere Informationen unter www.stiftunghandschrift.de 

Nach Beobachtung von Schulleiterin Waldorff hat die Schreibfähigkeit immer mehr nachgelassen: „Uns hat richtig erschreckt, was wir bei den Übergabekonferenzen mit den Grundschulen gesehen haben.“

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte, die Handschrift als eine der „grundlegendsten Kulturtechniken“ dürfe nicht verloren gehen. Dabei gehe es in erster Linie nicht ums Schönschreiben, sondern darum, dass das Schreiben mit der Hand den Denkprozess befördere. Deshalb müsse an den Grundschulen der Deutschunterricht ein besonders Gewicht haben. Er verwies darauf, dass die schwarz-grüne Koalition vereinbart habe, dort eine zusätzliche Deutschstunde einzuführen. Gleichzeitig räumte er ein, dass bei der Aus- und Weiterbildung verstärkt darauf geachtet werden müsse, dass Lehrkräfte besser in der Lage seien, die motorischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

Teil des Problems sei es, dass außerhalb des Unterrichts kaum noch mit der Hand geschrieben werde. Sehr viel Kommunikation geschehe mit Handys oder auf Tablets. Deshalb sei es nötig, Kinder und Jugendliche zum Schreiben zu motivieren. Der Wettbewerb der Stiftung Handschrift sei dafür ein gutes Mittel. Schüler und Schülerinnen sollten „das gesamte Instrumentarium beherrschen“, um eine hohe Kompetenz in der Bildungssprache Deutsch entwickeln zu können. Siehe Kommentar auf dieser Seite

Die Stiftung Handschriftrichtet seit zehn Jahren einen Schreibwettbewerb für die Klassen 6 und 7 aller hessischen Schulformen aus.

10 000 Schülerinnenund Schüler beteiligen sich an der aktuellen Runde. Bis Ende Mai sollen sie einen Brief zum Thema „Glück“ schreiben.

Weitere Informationenunter www.stiftunghandschrift.de

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