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Beim Sprung von einem ähnlichen „Freefall Tower“ kam eine Zwölfjährige in Schotten ums Leben.

Prozess

Schotten: Verhandlung nach tödlichem Sturz

Das Landgericht Gießen muss klären, ob die Betreiber des Kletterparks in Schotten den Tod eines Kindes verursacht haben.

Es sollte ein besonderes Erlebnis werden, ein Geburtstagsgeschenk. Doch der Ausflug in einen Kletterpark in Schotten (Vogelsbergkreis) wird einem Mädchen im August 2015 zum Verhängnis. Die zwölfjährige Sina stürzt laut Staatsanwaltschaft von einem „Freefall Tower“ so unglücklich, dass sie von der Umrandung des Sprungkissens abprallt und mit dem Kopf auf einem Felsen aufschlägt. Wenige Wochen später stirbt das Mädchen an seinen schweren Verletzungen. Seit Dienstag muss das Landgericht Gießen klären, ob die Betreiber des Kletterparks fahrlässig den Tod des Kindes verursacht haben.

„Für uns war es unvorstellbar, dass jemand außerhalb des Sprungkissens landen könnte“, sagt einer der beiden 42 und 44 Jahre alten Angeklagten vor Gericht. Sonst hätte man die Veranstaltung nie angeboten, die als Attraktion für die Sommerferien gedacht war. Es sei unglaublich, dass „so ein schreckliches Unglück“ passiert sei. „Wir würden alles tun, um es rückgängig zu machen. Das ist leider nicht möglich.“

Von einem „Freefall Tower“ aus können Wagemutige in ein mit Luft gepolstertes Kissen springen. Der Turm in Schotten bot laut Anklage eine Sprunghöhe von sieben Metern. Vor ihrem fatalen Sturz habe die Zwölfjährige den Absprung aus drei Metern geübt. Als es ganz hinauf ging, sei sie in Panik geraten und habe sich im letzten Moment vor dem Absprung an einer Absperrung festgehalten. Dadurch sei das Kind in eine seitliche Drehung geraten und habe die anvisierte Mitte des Sprungkissens verfehlt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Betreibern des Kletterparks vor, den Sprungturm wegen des steinigen und felsigen Untergrunds an einer ungeeigneten Stelle aufgebaut zu haben. Zudem soll das Sprungkissen falsch unter dem Turm positioniert worden sein. „Wir stellen uns auf den Standpunkt, dass an einem solchen Ort eine solche Einrichtung nicht hätte errichtet werden dürfen“, erläutert Anklagevertreter Rouven Spieler die Vorwürfe, die nicht auf eine vorsätzliche Tat lauten, sondern auf fahrlässige Tötung.

Die Angeklagten erklärten, sie hätten auf die Erfahrung und die Kenntnisse des „Profiteams“ der Firma vertraut, die für den Aufbau des Kissens zuständig gewesen sei. Die Steine habe keiner der Beteiligten als Problem wahrgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird auch gegen den Inhaber der Firma sowie gegen den Bauleiter ermittelt.

Für die Familie und Freunde der Zwölfjährigen ist das Geschehen noch immer unfassbar. Unter Tränen berichtet die Mutter von dem Schicksalstag. Sie könne sich kaum noch an den Moment des Sturzes erinnern. Doch sie habe die Hoffnung gehabt, dass nichts passiert sei und Sina zu ihr zurückkommen werde. Auch der Vater verfolgt den Prozess: Er nimmt an dem Verfahren als Nebenkläger teil. „Es war ein wunderschöner Sommertag“, berichtet eine weitere Zeugin dem Gericht, die Mutter der besten Freundin der Verunglückten. Der Besuch des Kletterparks sei ein Geburtstagsgeschenk von ihnen gewesen. Die Mädchen und seine Mütter fuhren gemeinsam dorthin, die Kinder seien begeistert geklettert und hätten dann unbedingt von dem Turm springen wollen. Die 47-Jährige sollte davon mit dem Handy ein Video drehen. „Sie waren ganz euphorisch.“ Also lief die Kamera, als die Zwölfjährige zum Sprung ansetzte, zum Geländer griff und abstürzte. „Halt dich fest!“, habe sie noch gedacht, sagte die Zeugin.

Laut Staatsanwaltschaft wird es in dem Prozess auch um die Qualität eines TÜV-Gutachtens für den Sprungturm gehen. Zudem müsse geklärt werden, ob für die Anlage eine behördliche Genehmigung nötig gewesen wäre. Das Urteil wird voraussichtlich im März erfolgen. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. (dpa)

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