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Schockanrufe sind Theaterstücke am Telefon

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Von: Oliver Teutsch

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Junge seriöse Frauenstimmen sollen Vertrauen einflößen. Foto: panthermedia.net / Psodaz
Junge seriöse Frauenstimmen sollen Vertrauen einflößen. © PantherMedia / psodaz

Eine Betroffene aus Frankfurt berichtet, wie sehr solche Anrufe schockieren. Kriminelle fragen aus und improvisieren.

Monika Adam (Nachname geändert) war mit ihren Gedanken ganz woanders und auf dem Sprung, als an diesem Nachmittag gegen 16 Uhr ihr Telefon klingelt. „Mama, Mama, mir ist etwas ganz Schreckliches passiert“, ruft eine aufgeregte Stimme, dann ist die Leitung erst mal tot, bevor sich eine junge Frau meldet und berichtet, die Tochter habe einen Unfall mit Todesfolge verursacht. „Man ist dann schon erstmal in Panik“, erinnert sich Adam. Die 65-Jährige hat drei Kinder, darunter zwei Töchter. „Die Stimme am Anfang klang nicht wie eine meiner Töchter, aber wer weiß, wie die Tochter da klingt, so etwas ist ja noch nie passiert.“

Die Frankfurterin will in ihrer Panik mehr erfahren. Die seriöse Frauenstimme, die sich als „Staatsanwältin“ ausgibt, berichtet, ihre Tochter sei über eine rote Ampel gefahren und habe dabei eine junge Frau erfasst, die in der Folge gestorben sei. Adam geht davon aus, dass es sich um ihre jüngere Tochter handele, die kein eigenes Auto und wenig Fahrpraxis habe. „Ich habe dann den Fehler gemacht und auf Nachfrage das Geburtsdatum meiner Tochter rausgerückt“, ärgert sich Adam und ist sich sicher: „Ohne den schrecklichen Vorspann wäre mir das nicht passiert.“ Das zeigt, wie sehr die Kriminellen am Telefon auf den Schockeffekt setzen.

Sehr viel weiter kam die vermeintliche Staatsanwältin bei der 65-Jährigen dann aber nicht. Als die Betrügerin davon anfing, dass der Tochter eine fünfjährige Haftstrafe drohe, sie aber gegen eine Kaution auf freien Fuß kommen könne, wusste Adam schon, dass da was faul ist. Also fragte sie nach Namen und Telefonnummer und erwähnte eine Bekannte, die Juristin sei. Da legte die falsche Staatsanwältin irgendwann einfach auf. Doch erst als Adam ihre völlig ahnungslose Tochter telefonisch erreicht hatte, war sie wirklich erleichtert. „Ich frage mich aber, was passiert wäre, wenn die meine 88-jährige Mutter am Telefon erwischt hätten.“ Auch die Frage, wie die Kriminellen an ihre Telefonnummer gekommen sind, beschäftigt die 65-Jährige. Im Telefonbuch jedenfalls stehe sie nicht.

Nach Rücksprache mit ihrer Schwägerin, einer Juristin, hat Adam dann Strafanzeige bei der Polizei erstattet. Der junge Beamte in der Nordweststadt sei sehr freundlich gewesen und habe darauf hingewiesen, dass es solche Anrufe derzeit häufig gebe. Wirklich hilfreiche Angaben konnte Adam nicht machen, der Fall dient wohl eher statistischen Zwecken.

Die 65-Jährige will jetzt bei Telefonaten „noch hellhöriger“ sein. „Wenn jemand seinen Namen nicht sagt, lege ich einfach auf.“

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