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Wer die Notaufnahme eines Krankenhauses mit einer Bagatellerkrankungen aufsucht, soll für die Leistung zahlen. (Symbolbild)

Gesundheitspolitik

Mit Schnupfen in die Klinik-Ambulanz? Nur gegen "Kontaktgebühr"!

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Hessens Kassenärzte wollen mit einer Gebühr den Run in Krankenhausambulanzen stoppen. Alle anderen Versuche, Patienten über die Zuständigkeiten aufzuklären, hätten nichts genutzt.

Wer mit Bagatellerkrankungen eine Krankenhausambulanz aufsucht, soll zahlen: Eine bundesweite Gebühr für Patienten fordert die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV). Die sollen jene bezahlen, die zu Praxisöffnungszeiten beziehungsweise Dienstzeiten des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in eine Klinik gehen. Der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen hatte in seinem jüngsten Gutachten eine solche „Kontaktgebühr“ vorgeschlagen. Hintergrund sind die Probleme mit Patienten, die mit Husten, Schnupfen oder Rückenschmerzen Hilfe in den Krankenhausambulanzen suchen. Die sind nur für die schweren Fälle zuständig.

Die Kassenärztliche Vereinigung vertritt die niedergelassenen Ärzte. Sie organisiert für sie den sogenannten Ärztlichen Bereitschaftsdienst, an den sich Patienten unter der Rufnummer 116 117 wenden können, wenn die Praxen geschlossen sind. Diese Trennung in der Zuständigkeit wird von Patienten häufig ignoriert. Mit Aufklärungkampagnen hat die KV versucht, die Menschen über die unterschiedlichen Zuständigkeiten aufzuklären. Einen durchschlagenden Erfolg konnte sie nicht verzeichnen.

Der Vorschlag des Sachverständigenrats kam der Vertreterversammlung demnach gerade recht: Nach Abschaffung der Praxisgebühr wachse der Strom von Patienten in die Notfallambulanzen, heißt es in dem Antrag. Trotz „erheblicher Anstrengungen“ sei es nicht gelungen, ihn nachhaltig zu beeinflussen oder zu steuern. Gemeint sind damit sogenannte Portalpraxen, in denen der Patient bei der Ankunft der richtigen Versorgungseinheit zugewiesen wird. Oder ein Modell wie in Frankfurt-Höchst, wo Patienten mit Bagatellerkrankungen in umliegende Praxen geschickt werden. Auch die Ausdehnungen der Notdienste hat nach Auffassung der Kassenärzte nicht zu einer Besserung geführt. „Nur durch eine Ambulanznotfallgebühr ist eine nachhaltige Steuerung möglich“, heißt es in ihrem Antrag. Dies hätten auch andere KV bereits beschlossen. Eine Belastung sozial Schwacher sei dadurch nicht zu erwarten. Schließlich gebe es die Praxen beziehungsweise den Ärztlichen Bereitschaftsdienst, die ohne Zuzahlung erreichbar seien.

Das jüngste Gutachten des Sachverständigenrats beschäftigt sich damit, wie Patienten durch das komplexe Gesundheitssystem besser gesteuert werden können. Auch um ihn „vor zu viel und falscher Medizin zu schützen, um zu verhindern, dass unabgestimmte Diagnostik und Therapie erfolgt und um alle medizinischen Informationen an einer Stelle zu bündeln“, wie es Ratsvorsitzender Ferdinand Gerlach formuliert, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Frankfurter Universität.

Patienten sollten durch Anreize dazu gebracht werden, sich durch einen Lotsen steuern zu lassen, im Blick hat er dabei den Hausarzt. Etwa durch vergünstigte Krankenkassentarife. Erst wenn dies nicht zum Erfolg führt, schlägt der Rat eine Kontaktgebühr vor. Die soll immer dann fällig werden, wenn der Patient einen Facharzt ohne Überweisung aufsucht.

Für den Bereich Notfallversorgung haben die Experten Ideen für organisatorische Veränderungen präsentiert. Erst wenn diese keine Besserung bringen, solle eine Selbstbeteiligung in Form einer Kontaktgebühr erwogen werden.

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