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Frau im Rollstuhl

Umfrage

Schlechte Noten für die Pflege in Rhein-Main

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Die Gesundheitswirtschaft fragt nach der Zufriedenheit mit der Versorgung in Rhein-Main.

Das Image der Pflege ist dramatisch schlecht. Das betrifft ambulante Dienste wie Heime – die Bevölkerung hält sie für weniger kompetent als die niedergelassenen Ärzte oder die Kliniken. Nicht nur bei der Frage nach der Behandlungsqualität schneidet die Pflege schlechter ab. Auch die Noten für den Service sind schlechter. Und bei der Frage nach den attraktivsten Gesundheitsberufen rangiert sie auch ganz unten.

„Für die Pflegeberufe muss dringend mehr getan werden“, sagt Michael Burkhart, Vorsitzender Gesundheitswirtschaft Rhein-Main. Der Verein hatte eine repräsentative Umfrage zur Zufriedenheit der Rhein-Main-Bevölkerung in Auftrag gegeben. Aus den Ergebnissen leitete er Empfehlungen an die Landespolitik ab: die Attraktivität des Pflegeberufs steigern, die landärztliche Versorgung langfristig sichern. Dritter Punkt ist die Stärkung der Patientensicherheit. Bei den Befragten rangiert sie auf Platz eins der wichtigsten landespolitischen Aufgaben, noch vor Landarztversorgung und schnelleren Facharztterminen.

Die Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen interessiert sich weniger für einen Gesundheitsberuf als die Älteren. Den Beruf des Arztes finden nur 73 Prozent der jungen Leute attraktiv, den des Apothekers 64 Prozent. Die rote Laterne hat auch hier die Pflege mit 29 Prozent. Keine gute Entwicklung angesichts von Prognosen, wonach der Region Rhein-Main in elf Jahren mehr als 60 000 Fachkräfte im Gesundheitswesen fehlen werden.

Generell sei eine große Spanne zwischen Jung und Alt erkennbar, sagt Burkhart. „Das hat mich schon überrascht.“ Die Ansprüche der Jüngeren seien höher. Wochenlang auf einen Arzttermin warten, sei für sie keine Option. Seine Prognose: „Hier kommt in absehbarer Zeit Druck in unser gewachsenes System.“ Darauf müsse die Politik vorbereitet sein. Die Lösung könne nicht nur E-Health heißen. Digitale Angebote kommen bei Jüngeren nicht besser an als bei den Alten. Im Gegenteil: Videosprechstunden finden sogar lediglich 44 Prozent nützlich – in der Altersgruppe der mehr als 60-Jährigen sind es 48 Prozent.

Bei einer Tagung am Freitag mit Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) hat der Verein die Ergebnisse vorgestellt. Die Umfrage soll jährlich wiederholt werden.

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