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So voll ist es sonst nicht mal zu Weihnachten: zentraler ökumenischer Gottesdienst in der Katharinenkirche.
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So voll ist es sonst nicht mal zu Weihnachten: zentraler ökumenischer Gottesdienst in der Katharinenkirche.

Reformationstag

Schlangestehen vor der Kirche

Das Lutherjahr geht mit Gottesdiensten und einem vielfältigen Programm zu Ende. Die Junge Union fordert einen deutschlandweiten Feiertag.

Gott sieht bekanntlich alles. Und bestimmt freut es ihn, dass sich am Reformationstag so viele auf den Weg in die Katharinenkirche gemacht haben. Beim zentralen ökumenischen Gottesdienst an der Hauptwache war kein einziger Platz frei. Die Leute standen nicht nur in den Gängen. „Die stehen draußen bis zum Kaufhof“, sagte einer. Nicht mal an Weihnachten ist so viel los.

„Was für ein toller Anblick“, sagte Pfarrer Olaf Lewerenz, als er auf das Heer der Menschen blickte. Es war der Höhepunkt der Feiern zu 500 Jahren Reformation, begleitet von zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen, Gottesdiensten in der Stadt: Besucher verspeisten ein Vier-Gänge-Menü wie aus Luthers Zeiten in der evangelischen Kirchengemeinde Bornheim; Kinder rannten beim Lutherspiel „Hallo, Martin!“ durch Bornheim; die Menschen vesperten nachmittags im Kaiserdom; andere lauschten abends dem Barockkonzert in der Katharinenkirche. 

„Das Reformationsjahr hat die beiden Kirchen enger zusammen gebracht“, sagte Olaf Lewerenz am Vormittag in der Katharinenkirche. So beteten katholische und evangelische Christen unter der Woche um halb eins gemeinsam dort.

Gemeinsam standen der katholische Stadtdekan, Johannes zu Eltz, und der evangelische Stadtdekan, Achim Knecht, auf der Kanzel. „Wir waren schon gespannt, ob wir gemeinsam draufpassen“, sagte Knecht.

Er erinnerte an Luthers erste von 95 Thesen, die der Reformator am 31. Oktober 1517 an die Kirchentür zu Wittenberg genagelt haben soll. Heute sind die Worte am Portal der Schlosskirche in Bronze gegossen.  Da heißt es: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht ,Tut Buße‘ usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Buße.

Das Wort zeige, wie weit wir heute von der Reformation entfernt seien, sagte Achim Knecht. „Wir nehmen die Reformation ernst, wenn wir uns erneuern.“ Dann spielten Achim Knecht und Johannes zu Eltz sich verbal die Bälle zu, redeten im Dialog über das Gleichnis vom Sämann, der seine Körner bekanntlich auf dem Weg, dem Fels, unter Dornen und dem fruchtbaren Acker verteilt hatte. „So wie in der Landwirtschaft: viel rein, auf Teufel komm raus“, sagte zu Eltz. Ob das wohl Gottes Plan sei? 

Gottes Plan, und der seines Sohnes, sei doch klar in die Worten gefasst: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. „Das hören die Menschen heute nicht mehr so gern. Das sieht man im Umgang mit geflüchteten Menschen“, bedauerte Achim Knecht. 

Johannes zu Eltz betonte, dass jeder Mensch einen freien Willen habe, das zu tun, was gut und richtig sei. „Ich kann unter die Dornen gehen, aber muss ich das?“ Mit diesem Wort im Ohr gingen die Menschen an diesem Feiertag dann ihrer Wege. Darunter auch Kirchendezernent Uwe Becker (CDU). Der hat in seiner Partei eine Debatte angeregt, ob der Reformationstag dauerhaft ein nationaler Feiertag werden soll. 

„Wir können nicht fortlaufend den Werteverfall unserer Gesellschaft beklagen und gleichzeitig die Ankerpunkte unserer christlich-jüdischen Traditionen lösen“, sagte er. Es sei ein Fehler gewesen, den Buß- und Bettag aus „wirtschaftlichen Gründen“ als gesetzlichen Feiertag abzuschaffen. „Der Reformationstag sollte dauerhaft in seiner Bedeutung gewürdigt und als gesetzlicher Feiertag in den kommenden Jahren fest verankert werden“, schlug er vor.

Die Junge Union (JU) in Hessen griff die Idee auf. „Das Gedenken an die Reformation und an Luther ist es wert, dass der Reformationstag ein gesamtdeutscher Feiertag wird“, sagte Martin-Benedikt Schäfer, stellvertretender JU-Landesvorsitzender.  Über gesetzliche Feiertage bestimmen in Deutschland die Bundesländer – nur den 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit hat der Bund in einem Staatsvertrag festgelegt. Ein Feiertag ist der Reformationstag bisher nur in den fünf Bundesländern im Osten. 

Hessen will den Reformationstag nicht zum Feiertag machen. Der Chef der hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (CDU), sagte dem Radiosender HR-Info, das Thema stehe nicht auf der Agenda. 

Zehn Feiertage pro Jahr reichten in Hessen aus. Er bedauerte allerdings, dass Halloween, der „aus Amerika importierte Gruselbrauch“, das Reformationsfest überlagere. 

Uwe Becker wiederum forderte eine „gesamtdeutsche Initiative“, um den Reformationstag zum Feiertag zu machen. Martin-Benedikt Schäfer sagte, dass „rund drei Viertel der Hessen“ laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts You-Gov dafür seien, den Reformationstag zum Feiertag zu machen. 

„Der Reformationstag sollte immer Feiertag sein“, meinte eine Frau auf dem Weg nach Hause. „Ich jedenfalls fühle mich schon viel christlicher.“

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