Offenbach

Schlange stehen statt wählen

Wahlfrust bei Rumänen, die zur Europawahl eigens in einzige rumänische Wahllokal  Hessens angereist waren. Der Botschafter entschuldigt sich für das Chaos.

Tausende Auslandsrumänen waren am 26. Mai nach Offenbach gekommen, um im einzigen rumänischen Wahllokal Hessens ihre Stimme bei der Europawahl abzugeben. Doch viele Wahlberechtigte harrten vergeblich stundenlang in der prallen Sonne vor dem Gelände der rumänisch-orthodoxen Kirche an der Backstraße aus. Es ging nicht vorwärts, weil es nur sechs Wahlurnen gab. Es bildete sich eine 800 Meter lange Schlange.

Offenbach war kein Einzelfall. In München, Nürnberg, Ulm, Köln und Düsseldorf musste die Polizei einschreiten, um Tumulte zu verhindern. In Offenbach wurde die Sprendlinger Landstraße gesperrt, um die Wartenden nicht zu gefährden.

6000 Menschen, darunter auch Kinder und Angehörige, sollen nach Angaben von Pfarrer Stefan Anghel ins Wahlzentrum gekommen sein. Er hatte die Gemeinderäume dem rumänischen Konsulat für die Wahl zur Verfügung gestellt, damit die Wahlberechtigten nicht mehr nach Stuttgart oder Bonn zur Stimmabgabe fahren mussten. Nach seiner Schätzung konnte aufgrund des Andrangs etwa die Hälfte der Angereisten nicht wählen.

Der Wahlleiter soll gegen 14.30 Uhr den Notruf gewählt haben, weil die Situation in Offenbach zu eskalieren drohte. Die Feuerwehr verteilte Getränke. Einige Personen mit Kreislaufproblemen wurden rettungsdienstlich versorgt oder ins Krankenhaus gebracht.

Bei EU-Wahlen können Unionsbürger entweder für die Parteien an ihrem Wohnort stimmen, müssen sich dafür aber rechtzeitig ins örtliche Wählerverzeichnis eintragen lassen. Wer Parteien im Herkunftsland wählen möchte, kann dies in Wahllokalen tun, die das jeweilige EU-Land einrichtet.

In Deutschland lebten Ende 2017 über 600.000 Rumänen, die meisten von ihnen sind wahlberechtigt. Für sie waren nach Angaben des Botschafters Emil Hurezeanu 25 Wahllokale eingerichtet worden. Er entschuldigte sich für das „Chaos“ bei seinen Landsleuten und den betroffenen Gemeinden. Die Zahl der Wahllokale sei unzureichend gewesen. Eine Abstimmung bis 23 Uhr hätten die rumänischen Behörden aber nicht akzeptiert. Der Botschafter sprach von einer „Lektion“. Man müsse das Wahlgesetz in Rumänien und für das Ausland anpassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare