Rhein-Main

Schlag gegen Kfz-Händler im Rhein-Main-Gebiet

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Bande soll Gebrauchtwagen frisiert und teuer verkauft haben.

Der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ist ein großer Schlag gegen eine Bande von Gebrauchtwagenhändlern gelungen. 86 Beamte haben am Dienstag Wohnungen und Geschäftsräume im Rhein-Main-Gebiet durchsucht. Die Polizei nahm in Offenbach drei Männer im Alter von 19, 20 und 25 Jahren fest. Als tatverdächtig gelten laut Generalstaatsanwaltschaft neun Männer. Sie sollen Autos mit manipulierten Kilometerständen verkauft und in großem Stil Steuern hinterzogen haben.

Die Ermittlungen in dem weit verzweigten Komplex laufen bereits seit Juni 2018 in enger Zusammenarbeit mit der hessischen Steuerfahndung. Die Beschuldigten sollen hochwertige Gebrauchtwagen zu relativ geringen Preisen angekauft haben. In den meisten Fällen handelte es sich um Unfallfahrzeuge oder Fahrzeuge mit einer hohen Kilometerlaufleistung. Die Bande reparierte die Fahrzeuge oberflächlich und verkaufte sie dann als unfallfrei oder manipulierte die Kilometerstände, um einen höheren Fahrzeugwert vorzutäuschen.

Allein in den vergangenen vier Monaten soll die Bande mit dem Verkauf von nur sieben Fahrzeugen 100 000 Euro Gewinn gemacht haben. Den Geschädigten in Frankfurt, Hanau, Offenbach, Dreieich und Langen soll ein erheblicher Schaden entstanden sein.

Für ihre Betrügereien betrieben die Männer einen großen Aufwand. Zur Verschleierung ihrer wahren Identität sollen die Beschuldigten falsche Namen verwendet und die Fahrzeuge für den Verkauf mit Kurzkennzeichen versehen haben, die wiederum auf Strohleute kurzfristig registriert waren.

Ermittelt wird gegen die Männer auch wegen Steuerhinterziehung. Der Handel mit hochwertigen Gebrauchtwagen soll nach Erkenntnissen der Ermittler bereits seit 2014 laufen. Da die Beschuldigten seit dieser Zeit weder ihre Einnahmen dem Finanzamt gegenüber angaben noch Umsatzsteuer abführten, soll dem Finanzamt ein Schaden von über einer halben Million Euro entstanden sein. Um sich das Geld wiederzuholen, erließen mehrere Amtsgerichte Arrestanordnungen in Höhe von insgesamt 670 000 Euro.

An der Durchsuchung am Dienstag waren neben Beamten der Steuerfahndung, der Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft auch vier Bargeldspürhunde beteiligt. Durchsucht wurden drei Objekte in Frankfurt, zwei in Offenbach und je eins in Dreieich, Mörfelden-Walldorf und Altenstadt. Welche Vermögenswerte oder weiterführenden Beweise den Ermittlern dabei in die Hände fielen, wurde nicht mitgeteilt. Gegen die drei Hauptverdächtigen ergingen Haftbefehle wegen Fluchtgefahr.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat sich seit Juni verstärkt mit dem Thema Betrug im Kfz-Gewerbe beschäftigt. Die Ermittler gehen derzeit von rund 20 Beschuldigten im Rhein-Main-Gebiet aus, die sich untereinander kennen und teilweise zusammenarbeiten. So hat die Generalstaatsanwaltschaft schon im September Anklage gegen ein Ehepaar aus Schöneck erhoben, dass beim Gebrauchtwagenhandel Umsatzsteuer in Höhe 380 000 Euro hinterzogen haben soll. Zudem soll der Sozialversicherung durch unberechtigten Leistungsbezug seit 2012 ein Schaden von rund 150 000 Euro entstanden sein.

Mit Rechtshilfe konnten Steuerfahnder in Rumänien Grundvermögen zur Kompensation des entstandenen Schadens sichern. Zudem wurden in Deutschland mehrere Autos gepfändet.

Fünf weitere Beschuldigte müssen sich demnächst vor dem Jugendschöffengericht in Offenbach wegen des betrügerischen Verkaufs von Gebrauchtwagen zwischen 2014 und 2016 verantworten.

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