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Der vordere Mauerabschnitt ist schon fertig. Wo die Folie das Baugerüst überzieht, wird derzeit saniert.
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Der vordere Mauerabschnitt ist schon fertig. Wo die Folie das Baugerüst überzieht, wird derzeit saniert.

Rhein-Main

Schießscharten gen Königstein entdeckt

Die Sanierungsarbeiten an der Kronberger Burg fördern Standsicherheit und unerwartete Erkenntnisse. Und jeder Teil der Mauer erzählt seine eigene Geschichte.

Es ist schon eine Weile her, dass Herbert Bäcker vom Arbeitskreis „Bau und Denkmalpflege“ des Burgvereins im Stadtmuseum anhand eines vergrößerten Stiches der Kronberger Burg erklärte, welcher Abschnitt der Stadt- und Zwingermauer saniert werden soll. Mittlerweile sind die Bauarbeiten in vollem Gange.

Bereits im vergangenen Jahr wurden 270 000 Euro für den ersten Abschnitt des auf insgesamt 550 000 Euro veranschlagten Bauprojekts ausgegeben, wie Uwe Wittstock, im Vorstand des Vereins für die Finanzen zuständig, erklärt. Der Abschnitt liegt oberhalb der Königsteiner Straße. Die Standsicherheit war nicht mehr gewährleistet, Brocken drohten auf die Straße oder das Burggelände zu stürzen. Also musste der Verein zum einen der Verkehrssicherungspflicht und zum anderen dem Satzungsziel des Burgerhalts nachkommen.

An dem sanierten Mauerabschnitt befindet sich eine kleine Aussichtsplattform, von der aus man ganz hervorragend den Blick über das Tal schweifen lassen kann. Es sei aber auch dringend angeraten, den Blick zu senken, sagt Bäcker, um der 1,50 Meter breiten Mauer selbst die gebotene Aufmerksamkeit zu schenken.

„Der untere Teil der Mauer stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und ist deutlich besser erhalten als alles, was später draufgebaut oder saniert wurde“, erklärt Bäcker. Das sei Ergebnis der damaligen Baukunst gewesen, ist er überzeugt.

Er weiß: „Jede Mauer hat eine eigene Handschrift.“ Und sie erzählt Geschichten. Mit welchen Materialien wurde gearbeitet? Welche Größe der Steine wurde bevorzugt? Welcher Putz kam zum Einsatz? Dass die Mauerkronen exponierter liegen und so der Witterung verstärkt ausgesetzt sind, lässt Bäcker nur bedingt als Argument gelten.

Und er zeigt im aktuellen Abschnitt eine Stelle, wo die Mauer einst nur auf die halbe Breite der alten Mauer aufgesetzt wurde. Jetzt wölbt sie sich dort gefährlich nach vorne. Ganz in der Nähe hat Wurzelwerk Steine auseinandergesprengt. Die Schäden sind unübersehbar. „Ohne die Sanierung würde die Mauer immer mehr zerbröckeln und dann auseinanderfallen. Was dann bliebe, wäre ein Wall.“

Die Sanierung fördert neue Einsichten zutage. So waren in der Vergangenheit zumindest an zwei Stellen alte Schießscharten einfach zugemauert worden. Jetzt werden die Steine weggeräumt und die Öffnungen gesichert. „Die Schießscharten waren in Richtung Königstein ausgerichtet. Da sieht man, wann die ,Freunde‘ kommen“, scherzt Bäcker.

Die Arbeiten seien mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Der Mauerkopf wird jetzt wellig angelegt, da sich die exakte Höhe der Mauer nicht mehr feststellen lasse, sagt Bäcker. Er ist fast täglich auf der Baustelle. Vermutlich könnte er sich dort auch mit geschlossenen Augen sicher bewegen.

An diesem Nachmittag widmet sich Christopher Töpfer von einer beauftragten Fachfirma einer Stelle, wo sich etliche Steine gelockert haben. Er probiert, welche Steine in welcher Kombination das Loch am besten schließen. Ein Puzzle. Dann haut er eine Kelle Mörtel an die Wand und presst den nächsten Stein hinein.

Sein Kollege Jakob Amini kärchert eine Etage weiter oben weitere Steine ab. Ohne Dreck, aber mit einer gewissen Feuchte versehen, verbinden sich die Steine einfach besser mit dem Mörtel. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Öffentlichkeit zur Jahresmitte die fertig sanierte Mauer in Augenschein nehmen.

Christopher Töpfer füllt die Mauerlücken.

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