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Auf den Strecken rund um den Frankfurter Hauptbahnhof gibt es Engpässe. Die Bahn plant daher Baumaßnahmen.

Verkehr

Schallschutzfenster gegen den Baulärm der Bahn

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In Frankfurt verlieren Züge wegen Streckenengpässen Zeit. Die Bahn will das ändern unter anderem mit einem Ausbau der Strecke in Niederrad. Anwohner fürchten Baulärm.

Um zwei Jahre hat sich der geplante Ausbau der Bahnstrecke von Niederrad zum Bahnhof Stadion bereits verzögert. Statt 2026 werden die beiden neuen Gleise für den „Knoten Sportfeld“ voraussichtlich 2028 fertig sein, sagte Projektleiter Rudolf Ditzen von DB Netze am Dienstag im Saalbau Gallus. Dort diskutierten Vertreter der Bahn und Anwohner über den Lärmschutz während und nach der Bauzeit. Fragen des Wasserschutzes wurden am Montag erörtert.

Am Dienstag wollten Anwohner im Paul-Gerhardt-Ring – nahe der 3,5 Kilometer langen Neubaustrecke – wissen, warum Gebäude, die gleich weit von der Strecke entfernt sind, unterschiedliche Lärmpegel aufweisen. Das liege etwa an den sechs Gleisen, die sich mal zusammen-, mal auseinander zögen, sagte der Schallschutz-Gutachter Peter Fritz.

Warum der Lärm laut Berechnung in einem Haus in den ersten drei Stockwerken höher sei als im Nachbarhaus, im Nachbarhaus dann aber in den darüber liegenden Stockwerken höher als im erstgenannten Haus, wollten die Anwohner wissen. Der Gutachter verwies auf das komplizierte Berechnungsverfahren. „Das ist aus Sicht der Anhörungsbehörde nicht plausibel“, sagte Christine von Knebel vom Regierungspräsidium Darmstadt.

Nun muss das Eisenbahnbundesamt entscheiden, ob die Berechnungen in diesem Fall stimmig sind. Für die Anwohner geht es darum, ob die Bahn Schallschutzfenster bezahlen muss, oder nicht. Vor Bahnlärm nach der Bauzeit will die Bahn die Anwohner mit einer vier Meter hohen Lärmschutzwand an der Ostseite der Strecke schützen sowie mit einer Mittelwand zwischen den Gleisen. Während der Arbeiten seien allerdings nur „passive Schutzmaßnahmen“, sprich Schallschutzfenster, vorgesehen, sagte Ditzen.

„Wir sind dann mittendrin in der Baustelle, acht Jahre lang“, sagte ein Anwohner aus der Hahnstraße. Er drängte die Bahn darauf, während der Bauzeit für ausreichenden, aktiven Lärmschutz zu sorgen. Schließlich gebe es Grenzwerte. Der Mann behielt sich vor, die Bauaufsicht einzuschalten oder auf Einhaltung der Grenzwerte zu klagen. „Einen Baustopp wollen sie doch nicht“, sagte er. Projektleiter Ditzen führte daraufhin Varianten des Schallschutzes aus. Deren Nachteil sei, „das die Kosten relativ hoch sind“. In einer Variante müsste die Bahn für einen Schutzfall rund 86 500 Euro zahlen.

Darüber befindet nun das Eisenbahnbundesamt. Die Bahn hofft auf den Planfeststellungsbeschluss im Jahr 2019. 2020 sollen die Bagger rollen; 2026 soll die dritte Mainbrücke in Niederrad stehen, außerdem werden sechs Überführungen neu- oder umgebaut. Die Kosten liegen nach derzeitigem Stand bei 240 Millionen Euro. Die Dauer der Arbeiten führte Ditzen auf den Tausch von Signalanlagen zurück, für den Strecken gesperrt werden müssten. Sperrungen würden aber nur „nur alle zwölf Monate“ bewilligt.

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